Ihre Augen standen voller Tränen. Der Jammer über ihr Schicksal erpreßte sie. Er aber glaubte, sie verletzt zu haben, befreite sich von dem sich selbst gegebenen Versprechen und sagte rasch und klar:

„Du hast einen Anspruch, den Satz zu Ende zu hören. Ich wollte sagen, wenn es das Geheimnis eines Geschehnisses wäre, von dem du wüßtest, daß es nichts in mir änderte – das ich voll begreifen, ja vielleicht sogar nachmachen könnte, dann gestände ich dir ohne weiteres das Recht zum Verschweigen ein.“

„Also in keinem andern Fall?“

„Nein! Vielleicht könnte ich etwas, das ich nie begreifen lernte, dennoch verzeihen.“

„Du mußt mir noch mehr darüber sagen, Walter. Ich verstehe dich noch nicht völlig.“

„Und es ist doch so klar, Liebste! Ein hartes Geheimnis, lediglich durch einen Zufall enthüllt, würde für immer Glauben und Vertrauen in mir vernichten.“

„Auch die Liebe?“ fragte sie mit Aufbietung aller Kraft.

„Meinst, daß die ohne Glauben und Vertrauen möglich ist?“

Einen Augenblick rang sie um Atem. Jetzt mußte sie es ihm sagen. Keine Minute durfte es länger nach diesem verschwiegen werden.