Es kam wirklich... und zwar erheblich schneller, wie es der Kummersbacher nach der mit heimlicher Schadenfreude von ihm festgestellten Umwandlung des bis dahin scheinbar temperamentlosen Vetters erwartet hatte. Eva von Ostried stand noch im Schmuck eines weinroten Sammetkleides, das die Schneiderin erst soeben abgeliefert und zum letzten mal angeprobt hatte, als die Klingel tönte.
Es war der Waldesruher Majoratsherr, der um die Ehre bat, die gnädige Base sprechen zu dürfen.
Sie dachte lange nach, während er zuerst ungeduldig, danach empört über das rücksichtslose Wartenlassen auf dem schmalen Korridor hin- und herging. Warum erweckte dieser Besuch ihren Unmut? Er brachte ihr doch eine ehrenvolle Genugtuung. Denn, wenn es sich nicht um eine solche handelte, würde sich ein eiskalter, untadliger Ehrenmann wie dieser solcher Mühe nicht unterziehen. Eine feine Falte stand zwischen ihren Brauen, als sie sich endlich entschlossen hatte.
„Führen Sie ihn in das Musikzimmer, Gretchen.“
„Aber das Kleid,“ gab die andere zu bedenken.
„Es wird bei der kurzen Unterredung nicht stören.“
Horst Waldemar von Ostried sah eine Sekunde verblüfft auf. Sie reichte ihm nicht die Hand entgegen. Nur den feinen Kopf neigte sie und deutete höflich auf einen Polsterstuhl.
„Warum kommen Sie, Herr von Ostried?“
„Sie werden sich erinnern... mein Brief...“
„Also darum,“ machte sie gedehnt, „ich dachte, das sei längst abgetan. Sie haben gehört, daß ich nicht will...“