Er ließ diesen Einwurf unbeachtet. „Können Sie mir dies Schreiben anvertrauen,“ fragte er.
„Wozu? Ich will nicht haben, daß er etwa zur Rechenschaft gezogen wird.“
„Eine Beleidigung in diesem Sinne enthält er nicht! Daß er den Wunsch ausspricht, Sie seinen Eltern zuzuführen, beweist ja gerade, daß er Sie respektiert. Er hätte noch etwas damit warten müssen. Aber er mag wohl gefürchtet haben, ein anderer käme ihm zuvor...“
„Sie baten um den Brief,“ lenkte Eva von Ostried hastig ab, „darf ich wenigstens wissen, zu welchem Zweck das geschah?“
„Um eine Handhabe zu besitzen.“
„Verstehe ich Sie recht? Glauben Sie, daß er unklug genug ist, um diese Sache vielleicht falsch wieder zu geben?“
„Das nicht. Seines Schweigens hierüber sind wir sicher. Nur etwas anderes steht zu befürchten. Vor jedem lauten Wort wird er sich hüten. Er ist in jeder Beziehung ein leiser, vorsichtiger Herr. Es könnte sich aber ereignen, daß er Sie aus dem Hinterhalt angriffe. Sagen wir mal, der Kummersbacher, der seine Augen und Ohren überall hat, würde etwas erfahren und mir wieder erzählen?“
„Warum grade Ihnen?“
„Untersuchen wir das jetzt nicht. Unterstellen wir es als sicher. Dann könnte ich diesen Brief vorzeigen und ihn bloßstellen, wie er es verdient hat....“