„Nur an mein Glück hat sie gedacht, deine kleine Schwester. Das sieht ihr ähnlich. Ich habe sie sehr lieb gehabt. Vielleicht – –“
„Sei barmherzig. Vergib mir meine Härte und Ungerechtigkeit.“
„Steh auf – – ich allein bleibe die Schuldige. Es hilft nichts, ich – – habe gestohlen. Siehst du, jetzt zum ersten Mal geht das fürchterliche Wort aus meinem Munde. Das Gespenst läßt sich nicht vertreiben. Die Präsidentin hatte mir nichts zugedacht und ich habe es nicht glauben wollen. Ich habe dir nie von meinem Verhältnis zu ihr gesprochen. Jede ihrer Handlungen bewies mir, daß sie mich lieb hatte. Selbst, wenn sie unzufrieden mit mir war, wurde sie nicht hart. Ich merkte vielmehr, daß sie darunter litt. Und sie – – hat es mir auch versprochen. Klipp und klar. Da ist es mir unfaßbar gewesen, daß sie, die nie ein gegebenes Versprechen brach, nicht an mich gedacht haben sollte. Bei Gott! Mein Gefühl hat unablässig dagegen geeifert, immer noch, bis vor ganz kurzem. Nicht wahr, wenn sich schließlich doch ein Nachsatz, der mich bedacht hätte, vorfand, dann – ja dann – –. Das wirst du gewiß auch nicht verstehen. Wirst meinen, an meiner Schuld ändere das nichts. Mich hätte es losgesprochen. Ich hätte mir einbilden können, ich wäre nun nicht länger schuldig! So aber, wenn ich vergessen wollte – wie damals – in deinen Armen – nachher kam es doch wieder. Ein Satz nur, aber ein fürchterlicher, strenger noch wie du – – „Der Uebel größtes... aber ist die Schuld...““
„Wir werden gemeinsam arbeiten und sparen, damit wir alles zurückerstatten,“ flehte er erschüttert. „Denn so grausam, daß du mich nun zu deinem Schuldner auf Lebenszeit machst, der nicht abtragen darf, was du seiner Schwester gegeben, kannst du nicht sein.“
„Das Geld – – das schreckliche Geld – –“ klagte sie. „Wie es dich schon drückt, daß du es schuldest – –“
„Nein, das andere ist mir die Hauptsache. Deine Liebe, die selbstverständliche Güte, dein Verstehen und Vergeben, mit dem du meine Schwester überschüttet hast – –“
„Sollte ich, die schuldig Gewordene, sie verurteilen?“
„Ich war auch schuldig an ihr und habe dich doch gepeinigt.“
„Das tust du erst jetzt und ich kann es nicht länger ertragen. Laß uns das Nötige ruhig mit einander besprechen. Ich überlasse dir natürlich die Bestimmung über alles, was sie angeht. Willst du es lieber allein besorgen, weil doch auch wohl dein Vater kommen wird... so begebe ich mich für diese kurze Zeit in eine Pension. Wirklich, es macht mir nichts. Du denkst, daß dies hier die Heimstätte deiner kleinen Schwester sei, aus der, hinweggetragen zu werden, ihr gutes Recht ist. Wenn alles vorüber ist, kehre ich schon zurück. Wohl kaum mehr für lange... Ich weiß das alles noch nicht.“