„Nein, Pauline. Auch die gesundesten Vorsichtigen unterlassen so etwas nicht. Ich selbst reise niemals, ohne meine ausführliche Adresse vorher aufzuschreiben.“

„Mir wär sowas graulig. Gerade, als hätte man nur so auf das größeste Unglück gewartet. – Hören Sie die Eule schreien, Fräuleinchen?“

„Das tut sie bereits seit einigen Wochen um diese Zeit, Pauline.“

„Ich höre sie heute wirklich zum ersten Mal. Wir nannten sie zu Hause den Totenvogel und zogen uns die schweren Federbetten über die Nase, weil wir uns fürchteten. – Wenns doch bloß erst morgen wär.“

Eva von Ostried wurde ungeduldig. In ihren Nerven schwang sich noch das Gold der Töne. Alles andere versank in einen Abgrund, um vielleicht am nächsten Tage, wenn die Sonne hell darüber schien, wieder bestimmte Form zu gewinnen.

„Gute Nacht, Pauline,“ sagte sie. „Ich bin rechtschaffen müde. Gehen Sie endlich auch zur Ruhe. Dann wird sich Ihr Wunsch auf dem schnellsten und natürlichsten Wege erfüllen.“

Das alte Mädchen konnte sich nicht dazu entschließen. Sie saß und betete immer die gleichen Worte aus dem frommen Lied ihrer Kindheit:

Alle Menschen groß und klein

Sollen Dir befohlen sein!