Das Gesicht veränderte sich nicht. Nur die leise Stimme klang vorwurfsvoll.
„Die gnädige Frau wartet seit einer Stunde mit dem Essen!“
Er lachte kurz auf, warf den Kopf in den Nacken und murmelte etwas.
„Verdammter Zwang,“ hieß es. –
In dem großen, sehr kühlen Eßzimmer harrten auf köstlichem Leinen zwei Gedecke. – Dieser Raum wirkte pomphaft und erdrückend. Die Bespannung der Wände mit schwarzem Rupfen allzu feierlich. Die wuchtigen Möbel spreizten sich in ihrer Kostbarkeit. Die Sonne, welche durch stilvoll bemalte Scheiben ohnehin ihren Weg niemals finden konnte, war vollends von schweren Vorhängen abgesperrt. Nur die Tafel mit dem blendend weißen Leinen trug eine Fülle blutroter Rosen und dunkelblauem Kristall.
Plötzlich löste sich aus der halbdunklen Schwermut die überschlanke Gestalt einer weißgekleideten Frau und schritt auf Paul Karlsen zu. Das längliche Gesicht war auffallend bleich. Die Nase trat scharf hervor, als habe ein kürzlich überstandenes Krankenlager den Wangen die natürliche Rundung genommen.
Karlsen führte ihre Hand an die Lippen und ließ den Wortlaut seiner Stimme in gut gespielter Ueberraschung klingen:
„Du hast ja diese Leichenkammer heute so herrlich geschmückt, kleine Frau. Wer soll denn beigesetzt werden? Und ein neues Gewand hast du ebenfalls angelegt.“
Ihr stiegen die Tränen auf. Nicht weil er sie warten ließ. O nein – daran hatte sie sich längst gewöhnt. Aber – daß er nicht – daran dachte.
„Das Kleid,“ sagte sie hastig, um nicht laut aufweinen zu müssen, „kennst du es wirklich nicht, Paul?“