„Sie werden doch aber Ihrer Elfriede nichts von all diesen Sachen andeuten, Frau Eßling.“

„Wozu? Die Mühe kann ich mir sparen. Sie ist dermaßen in ihn verliebt und vertraut ihm so blindlings, daß sie zur Zeit ohne Ueberlegung die eigene Mutter aufgäbe, um ihn zu behalten und ihm weiter zu dienen.“

„Jedenfalls fühlt sie sich wohl dabei. Sie war stets durchsichtig wie Glas – unfähig der Lüge. Das wissen Sie am besten. Die Ehe bekommt ihr auch gut. Wie ich sie das letzte Mal sah, hatte sie einen Schein von Jugend und Frische, den ich bisher an ihr vermißte. Ja, sie lachte sogar herzhaft.“

„Wenn ich das nur genau wüßte,“ machte die Kommerzienrätin gequält. „Ich deutete es Ihnen bereits an. Auch das Komödienspiel läßt sich bei so einem harmlosen, aufrichtigen Charakter wie dem ihren gar wohl erlernen. Und sehen Sie – da bin ich endlich bei meinem Plan angekommen. So nahe sie mir wohnt – so mühelos ich jederzeit herüber kann, so treu und gewissenhaft der alte Franz auch aufpaßt und mir unweigerlich sofort Verdächtiges zutragen würde, ebenso fremd ist sie mir doch in dieser kurzen Zeit geworden. Der Mann mit seiner absoluten Gewalt über sie steht zwischen uns. Jede ihrer Handlungen wird von ihm beeinflußt. Ich weiß niemals, was aus ihrer eigenen Seele kommt. Darum muß ich sie eine kurze Zeit bei mir – hier in diesem Hause – in ihrem kleinen Mädchenstübchen, das immer ihr Entzücken gewesen ist, haben, muß sie scharf beobachten und sie seinem Einfluß, wenn auch nur vorübergehend, entreißen, damit ich völlig klarsehe.“

„Wie wollen Sie das anfangen? Er wird sich bald dagegen auflehnen.“

„Meinen Sie? Die Klugheit würde es ihm freilich anraten. Aber – ja, wenn er sie wirklich liebte. So aber wird er es als angenehm empfinden, wieder mal allein und noch dazu in der ungewohnten Pracht zu leben.

Ich weiß, Sie waren nicht mit der prunkvollen Ausstattung des Heims für die jungen Leute einverstanden. Sollte ich aber mein Kind entbehren lassen? Da entschloß ich mich eher dazu, ihn unnötig zu verwöhnen.“

„Sie haben entschieden zu viel Zeit zum Grübeln, liebe Eßling. Ziehen Sie sich nicht länger von allen Menschen zurück. Kommen Sie auch wieder öfter zu mir. Sie wissen, in meinem Hause verkehrt viel Jugend. Da geht es fröhlich zu. Und bringen Sie auch Elfriede öfter mit. Es wird ihr gut tun.“