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GRÖSSERES BILD
Größere Kunstschmiedearbeiten: Renaissancegitter mit durchgezogenen Stäben, aus Steiermark; Grabkreuz, Tiroler Arbeit des XVII. Jahrhunderts; Balkon- und Stiegengitter mit Figuren, prächtigem Durchzugswerk und tief eingeschlagenen Ornamenten, eine Wiener Schmiedearbeit des XVII. Jahrhunderts; zwei venezianische Feuerböcke des XVI. Jahrhunderts, einer davon ein Geschenk des regierenden Fürsten Johann von und zu Liechtenstein. Auf der gegenüberliegenden Seite des Saales Kunstschmiedearbeiten des XVIII. Jahrhunderts. Ein Balkongitter aus Bandeisen, um 1700; an der Wand ein geschmiedeter Wandarm mit Laubwerk an den Enden seiner schön gezogenen Spiralen, um 1700; vom Anfang des XVIII. Jahrhunderts das Balkongitter aus dem abgebrochenen Hause Gumpendorferstraße 94; Gruftgitter mit dem ausgebildeten Laub- und Bandelwerk der deutschen Schmiede aus der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts; ein kolossaler geschmiedeter Toraufsatz vom Anfang des XVIII. Jahrhunderts in der Mitte des Saales. An der Wand (wie vorhin) ein kleiner Wandarm mit schönem Laubwerk, erste Hälfte des XVIII. Jahrhunderts; das mächtige Wirtshausschild („zum goldenen Stern“), eine Augsburger Schmiedearbeit, in der sich Rokoko mit Zopfstil mischt. Mit dem Rokoko ging das Kunstschmiedehandwerk seinem Ende entgegen; das Empire mit seinen strengen, einfachen Formen konnte das Handwerk, das im Louis XIV-Stil und im Rokoko seine höchste Blüte gefunden hat, nicht mehr in gleichem Maße beschäftigen und der Eisenguß hat das Handwerk vollends verdrängt. Die Arbeiten vom Ende des XVIII. Jahrhunderts sehen neben den reichen, kunstvollen Barockarbeiten recht dürftig und sogar in ihrer Technik herabgekommen aus.
Vitrine XIX. Eine Sammlung von Schlüsseln kunstvoller Arbeit, XVI. bis XVIII. Jahrhundert.
Vitrine XXII. Schlüssel. Ein Kassaschloß vom Ende des XVIII. Jahrhunderts. Schlüssel aus dem XVII. und XVIII. Jahrhundert. In der Mitte der Vitrine ein in Eisen geschnittener Doppeladler.
SÄLE V UND III.
MÖBELSAMMLUNG.
Saal V. Aus dem Altertum und fast dem ganzen Mittelalter sind nur ganz wenige Holzmöbel erhalten, ein Umstand, der sich aus der Vergänglichkeit und dem geringen Werte des Materials erklären läßt. In Ägypten haben sich in den erst in neuerer Zeit erschlossenen Gräbern hauptsächlich Sitzmöbel vorgefunden, die uns schon eine bedeutende Fertigkeit in der Art der Holzbearbeitung erkennen lassen. Schnitzereien und Bemalung dienen zum Schmucke dieser seltenen Stücke. Infolge der Ausgrabungen in Pompeji wurde es möglich, Rekonstruktionen von antiken Möbeln vorzunehmen, die nicht nur über die Form, sondern auch über die Technik wichtige Aufschlüsse geben.
Die hauptsächlichste Quelle für die Geschichte des antiken Möbels sind aber die Darstellungen auf den Werken der bildenden Kunst, besonders auf den Vasen und den zahlreichen uns erhaltenen Reliefs an den Tempeln und Grabdenkmälern.
Auch aus dem Mittelalter haben sich bis in das XIV. Jahrhundert fast keine Holzmöbel erhalten, und wir müssen aus den Abbildungen auf Kunstwerken dieser Zeit unsere Kenntnis schöpfen. Vor allem sind die zahlreichen Miniaturenhandschriften weltlichen Inhaltes — Romane, Historie usw. eine ergiebige Fundgrube. Erst vom XIV. Jahrhundert an ist eine größere Zahl von Holzmöbeln auf uns gekommen.[3] Das verbreitetste Möbel zur Zeit der Gotik war die Truhe, ein langer rechteckiger Kasten mit einem nach oben zu öffnenden Klappdeckel. Die Verbindung der Bretter geschah durch Verzinken, das heißt durch das Aussägen und Verbinden von fingerartig ineinandergreifenden Zacken.
Bei den ältesten Holzmöbeln entstehen die großen Flächen durch das Aneinanderfügen einzelner Bretter, später bildet sich das sogenannte Rahmensystem in der Weise aus, daß in einen Rahmen von Brettern ein Brett als Füllung eingesetzt wird, das in Fugen, die in dem Rahmen rückwärts eingeschnitten sind, eingepaßt wird. Diese Art der Verbindung hat den Zweck, bei der Bewegung des Holzes infolge von Feuchtigkeit oder Hitze ein Zerreißen der Fläche, wie es bei einfach aneinandergefügten Brettern leicht möglich ist, zu verhüten. Die Truhen werden in der mannigfachsten Weise mit Schnitzereien oder Malerei geschmückt. Oft wird das Familienwappen angebracht, es werden Ornamente (Dornblattmuster) eingeschnitzt und mit bunten Farben bemalt. Auch die oft in kunstvoll gearbeitete Blattornamente endigenden Eisenbeschläge dienen zur Verzierung. Im XV. Jahrhundert tritt in den Rahmenfüllungen ein neues Ornament auf, seiner Ähnlichkeit mit einem gefalteten Tuche wegen „Faltenwerk“ genannt. Es findet bis gegen das Ende des XVI. Jahrhunderts häufig Verwendung.