Die Entstehung des Schrankes kann man nicht weiter zurückdatieren als in das XV. Jahrhundert. Alles, was über die Konstruktion und den Schmuck der Truhe gesagt wurde, gilt auch von dem Schranke. Er hatte meistens zwei, öfter auch mehr Geschosse, manchmal kommen auch schon Flügeltüren vor.
Der Tisch hatte an den beiden Schmalseiten breite, kräftige Stützen, die häufig Zierformen aufweisen und untereinander durch Bretter, die den Füßen als Stütze dienten, verbunden waren. Die Stühle näherten sich, wenn sie für festliche Gelegenheiten als Thronsessel und dergleichen bestimmt waren, den Formen der Kirchenstühle; für den täglichen Gebrauch gab es einfachere Formen mit oder ohne Rücklehne. Demselben Zwecke dienten auch lange Bänke, die entweder freistanden oder an der Mauer befestigt waren.
Die Betten bestanden aus einem einfachen Holzkasten, der Baldachin, von dem Vorhänge herabhingen, war direkt an der Decke befestigt, es gab noch keine Stützen für den Betthimmel wie in der Renaissancezeit.
Der Schrank gewinnt im XVI. Jahrhundert in Deutschland immer mehr Verbreitung, ohne aber die Truhe zu verdrängen. Beide Möbel werden nebeneinander verwendet. Die Truhe erfährt natürlich in der Dekoration eine große Veränderung, Renaissanceornamente, geschnitzt oder gemalt, bedecken die Flächen. In der folgenden Zeit tritt noch die Verwendung der Intarsia, der Einlegearbeit aus verschiedenartigen Hölzern, hinzu und findet allgemeine Verbreitung.
Wie auf allen Gebieten der Kunst, so übt auch im Kunstgewerbe die italienische Renaissance in ganz Deutschland einen mächtigen Einfluß. Die in Italien neu entstandenen Formen der Architektur und Ornamentik werden in Deutschland aufgenommen und umgebildet und rufen eine starke Veränderung im Aufbau und im Schmucke der Möbel hervor.
Truhe mit der Darstellung des Kampfes der Lapithen und Kentauren. Italienisch, XVI. Jahrhundert.
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GRÖSSERES BILD
In Italien ist die Truhe noch häufiger im Gebrauch als in Deutschland. Sie wird mit Malerei, Schnitzerei oder Intarsia verziert und in den Kreis der Darstellungen werden historische, mythologische und allegorische Szenen aufgenommen.
Der Schrank besteht in Süddeutschland zur Zeit des Beginnes der Renaissance zumeist aus zwei übereinandergestellten zweiflügeligen Kasten, die mit reichem Schnitzwerke verziert sind.