Von den Möbeln sind besonders bemerkenswert: Ein gotischer Schrank (neben dem ersten Fenster des Saales) aus Bayern mit Rautenmuster an der Zinne, reichen Ornamentschnitzereien und guten Eisenbeschlägen. Daneben eine Tischplatte aus dem XV. Jahrhundert. Auf ihr sind einzelne Gruppen von Darstellungen gemalt, die untereinander keinen Zusammenhang haben, wie die Passion Christi, die Marter der 10.000 Jungfrauen, einzelne Blumen und Tiere, eine Zahl von Kriegern und eine Jagddarstellung. Die Malerei ist in Temperafarben auf Kreidegrund aufgetragen. Beim Ofen eine Chorgestühlfüllung in farbiger Intarsia mit dem Selbstbildnisse Antonio Bariles aus Siena, signiert 1502, und eine Darstellung des abgeschlagenen Hauptes des Apostels Paulus in Intarsia aus derselben Zeit.

An der Wand Kasten aus dem XVI. Jahrhundert mit Intarsien oder Holzschnitzereien geschmückt. Beim zweiten Fenster ein großer Schrank, bunt mit Blumen und Ornamenten geschmückt, süddeutscher Herkunft, Ende des XVI. Jahrhunderts, beim vierten Fenster ein Schrank mit reicher architektonischer Gliederung aus Salzburg aus der Mitte des XVII. Jahrhunderts und beim letzten Fenster ein mit Säulen gezierter Schrank, datiert 1687, sowie ein zweiter ebenfalls mit reicher Architektur und allegorischen Reliefschnitzereien. Gegenüber zwei Gerichtsschränke mit außerordentlich reichem figürlichen Schmucke, norddeutsch, XVII. Jahrhundert.

Saal III. In der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts übernimmt Frankreich die Führung im Kunstgewerbe und behält sie das ganze XVIII., fast das ganze XIX. Jahrhundert hindurch. Unter Ludwig XIV. entsteht ein neuer Stil, der Stil der „französischen Barocke“, der nach dem König „Louis XIV“ genannt wird. So wie die Renaissance von Italien her in Frankreich eingedrungen war, so übte auch die italienische Barocke ihren Einfluß. Das Typische des neuen Stils ist das Aufgeben der geraden Linien in den architektonischen Formen und das Vorherrschen der Dekoration vor den konstruktiven Elementen. Eigentümlich ist dieser Kunst die Vorliebe für alles Prunkhafte. Das Holz der Möbel wird vergoldet, leuchtende Brokatstoffe dienen als Überzug. Die Einlegearbeit findet besonders durch die Ebenistenfamilie Boulle, deren Arbeiten in Schildpatt oder Ebenholz mit eingelegten Messingornamenten dieser Technik den Namen gegeben haben, starke Verbreitung. Zur Verzierung der Möbel werden Bronzebeschläge allgemein verwendet. Als neue Formen der Möbel entstehen die Kommode, ein reich verzierter niedriger Schubladekasten, und der Konsoltisch, ein an der Wand befestigter, in der Regel mit einer Marmorplatte belegter Tisch, über dem häufig ein großer Spiegel aufgehängt wurde. Kleine, an der Wand angebrachte Konsolen tragen Uhren, Vasen und anderen Wandschmuck. Das Ornament verwendet in reichstem Maße Akanthusblattmotive und Fruchtkränze.

Schreibtischchen, Mahagoni, Wiener Arbeit von Holl, Kongreßzeit


GRÖSSERES BILD

Als der Herzog von Orléans für den noch minderjährigen Ludwig XV. die Regentschaft führte, begann sich aus dem französischen Barockstil ein neuer Stil, der Regencestil, der das Prinzip der Symmetrie beibehält und die architektonische Konstruktion der Möbel durch ornamentale Formen verdrängt, und aus ihm der Rokokostil zu entwickeln, den die Franzosen nach dem König, unter dessen Regentschaft die Blütezeit dieses Stils fällt, „Louis XV“ nannten. Dieser Stil ist durch das vollständige Auflösen aller symmetrischen Formen in eine Aufeinanderfolge von unregelmäßigen Elementen charakterisiert. Dazu tritt eine reiche Verzierung mit naturalistischen Motiven, vor allem mit Blumen. Diese Ungebundenheit hatte natürlich zur Folge, daß die Konstruktion vor der Dekoration vollständig zurückweichen mußte. Das Holz wurde entweder mit edleren Hölzern furniert, das heißt: auf den Holzkern wurden dünne Plättchen einer edlen und kostbaren Holzgattung aufgeleimt, oder es wurde, um die mangelhafte Konstruktion zu verbergen, vergoldet. Sehr häufig überzog man bei Sitzmöbeln die Holzteile ganz mit Stoff. Es sei hier nur im allgemeinen der Einfluß, den die zur damaligen Zeit bekannt werdende chinesische Kunst auf das Rokoko, besonders auf die Ornamentik dieses Stils geübt hat, erwähnt, ja wir finden ganze Wandfüllungen, die ausschließlich mit chinesischen Motiven dekoriert sind. Zeugnis dafür gibt ferner die Bemalung der Möbel durch Robert Martin mit Imitationen chinesischer Lackmalereien. In Deutschland wird der französische Rokokostil bedingungslos aufgenommen und die einzelnen Motive, wie Muschelwerk, gekreuzte Gitterstäbe, naturalistische Blumengewinde etc., noch in der regellosesten Weise überall verwendet, während sich schon in Frankreich eine Reaktion gegen die übertriebene Regellosigkeit geltend macht und man bald nach der Mitte des XVIII. Jahrhunderts anfängt, nach Stilreinheit und antikisierenden Formen zu verlangen.

In England geht eine andere Entwicklung vor sich. Dort hatte sich neben der Renaissance und Barockkunst die Gotik sehr lange erhalten. So kommt es, daß im XVIII. Jahrhundert, als die Engländer, die bis jetzt vorzüglich unter holländischem Einfluß gestanden waren, die französische Kunst des Rokokos übernahmen, sich die Formen des französischen Rokokos mit den Formen der Gotik verbanden und häufig chinesische Motive, besonders flechtartige, geradlinige Flachornamente, die an den holländischen Möbeln häufig vorkamen, hinzutraten. Der Hauptmeister dieses Stiles war Thomas Chippendale, der im Jahre 1754 seine Entwürfe publizierte, die eine große Verbreitung fanden.

Das Verlangen nach Stilreinheit in Frankreich hatte zur Folge, daß die Formen des Rokokos sich vereinfachten und die regellos gekrümmten Formen einfacheren Motiven Platz machen mußten; das Studium der Antike zeitigte seine Früchte, es bildete sich ein neuer Stil, der nach dem König „Louis XVI“ genannt wurde.

Die Symmetrie findet wieder Eingang, die geraden oder mäßig geschwungenen Linien gestatten wieder das Hervortreten der Konstruktion, das Muschelwerk wird durch antikisierende Ornamente ersetzt. Die Bronzeappliken werden auf den (häufig von Mahagoniholz verfertigten) Möbeln symmetrisch angebracht und haben die Form von Eierstäben, Perlenschnüren oder naturalistisch gebildeten Blumen oder Kränzen. Von einem der bedeutendsten Schreiner dieser Zeit, von David Roentgen aus Neuwied, der in Paris ausgebildet wurde und dort längere Zeit lebte, befinden sich einige Stücke in der Sammlung. Gegen Ende des Jahrhunderts geht das verständnisvolle Verarbeiten der antiken Motive in Nachahmen antiker Vorbilder über, es bildet sich zur Zeit des französischen Kaiserreiches der „Empirestil“, der dann auch in Deutschland und England Eingang findet. In diesem Lande hat die antikisierende Richtung besonders in Adam (um 1770), der auf Studienreisen in Italien die antiken Überreste studierte, und in Thomas Sheraton (um 1790) ausgezeichnete Vertreter.