Von den Holzbildwerken sind besonders hervorzuheben: ein großer Altar aus der Zeit der italienischen Frührenaissance mit der Madonna mit dem Kinde, Johannes dem Täufer und der heiligen Katharina, eine Madonna mit dem Kinde von Tilmann Riemenschneider (die Bemalung der Fleischteile vollständig erhalten) und einige freistehende Altäre. Der eine von ihnen mit einer Krönung der Madonna und reichen Reliefschnitzereien, im Innern der Flügel: Versuchung des heiligen Antonius, der heilige Hieronymus, die Marter des heiligen Sebastian und die des heiligen Stephanus, ist eine bayrische Arbeit des XVI. Jahrhunderts, ein anderer Altar mit der Darstellung der Geburt Christi in der Mitte, rechts und links je eine weibliche Heilige, ein Werk aus der Schule Pachers. An der Rückwand des Saales sind zwei Gruppen von Holzreliefs angeordnet, die linke enthält eine Anbetung Christi, ein farbiges Relief mit dem oben erwähnten Altar in der Art Pachers verwandt, und eine Verkündigung, schwäbisch, XVI. Jahrhundert; in der andern Gruppe ein Relief: der Tod Marias, in der Art des Tilmann Riemenschneider, eine Heimsuchung Mariens aus der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts, süddeutscher Herkunft, und ein Fries musizierender Engel in Hochrelief, der aus einer Altarpredella genommen ist, deutsch, aus dem Ende des XV. Jahrhunderts.

In der Ecke drei Figuren: der dornengekrönte Christus, neben ihm Maria und Johannes, eine Nürnberger Arbeit in der Art des Veit Stoß aus dem Ende des XV. Jahrhunderts.

SÄLE VI UND VII.

TEXTILSAMMLUNG.

Die Textilsammlung des k. k. Österreichischen Museums kann wohl als eine der reichsten heute bestehenden angesehen werden. Da die Erzeugnisse der Textilkunst jedoch Schädigungen durch Licht, Luft und eigenes Gewicht am meisten ausgesetzt sind, so müssen sie in der Hauptsache in ganz anderer Weise zur Aufstellung gebracht werden als die meisten übrigen Gegenstände eines kunstgewerblichen Museums. Auch beanspruchen die Textilobjekte bei ihren verhältnismäßig großen Flächen Wände von solcher Ausdehnung, daß sie schon aus diesem Grunde nicht gleichzeitig zur Ausstellung gelangen können. Ferner ist ein großer Teil der Stoffmuster naturgemäß nicht eigentliches Schauobjekt, sondern nur bei genauem Studium geeignet, Vorteil zu bringen.

Man hat sich daher bemüssigt gesehen — wie es übrigens auch in den meisten andern Museen geschehen ist —, nur einen Teil der Textilgegenstände dauernd zur Ausstellung zu bringen und in diesem Falle die Stücke gegen Gefahren des Lichtes usw. durch verschiebbare Vorhänge und andere Schutzvorrichtungen zu sichern, die übrigen Stücke jedoch wissenschaftlich geordnet in Schränken zu verwahren und nur zeitweise und in bestimmten Gruppen zur Schau zu stellen. Jedoch werden auch die nicht ausgestellten Objekte künstlerisch oder wissenschaftlich Studierenden jederzeit zugänglich gemacht, zu welchem Zwecke man sich nur durch den Saaldiener an den Abteilungsleiter zu wenden braucht.

Es sind auch alle Objekte (oder Gruppen) mit kurzen technischen und historischen Angaben versehen, und es ist in den Textilsälen außer der jeweils gegenwärtigen Ausstellung immer Zeitpunkt und der Inhalt der folgenden durch Anschlag bekanntgegeben.

TEPPICHE UND TAPISSERIEN.

(Ständige Ausstellung.)

Zur dauernden Ausstellung sind vor allem die großen Teppiche und Tapisserien (Gobelins) gelangt; sie dienen zugleich als Wandschmuck einiger der größten Räume des Hauses.