Die ausgestellten orientalischen Teppiche gehören zum Teile zu den hervorragendsten, die sich aus alter Zeit erhalten haben. Wir erwähnen besonders den „Vasenteppich“ auf weißem Grunde, ein Werk der Blütezeit der persischen Teppichweberei des XVI. bis XVII. Jahrhunderts (Saal VI), dann mehrere sogenannte Herat-Teppiche (Saal IV) derselben Herkunft, zwei ausgezeichnete indisch-mohammedanische Teppiche aus der Zeit um 1600 und 1650 (Saal VI), welche allgemein als die glänzendsten Beispiele ihrer Art angesehen werden. Hervorragend sind auch zwei ältere kleinasiatische Teppiche von außergewöhnlicher Erhaltung (Saal IV), die aber auch sonst den späteren Erzeugnissen ihres Gebietes unendlich überlegen sind; auch wäre ein sogenannter syrischer Teppich (wohl das Erzeugnis einer alten kaiserlich türkischen Manufaktur) wegen seiner besonderen Größe hervorzuheben (Saal IV).
Bemerkenswert ist ferner eine Gruppe armenischer Teppiche (Saal IV und Saal VI), eine Art, die in ihren vereinfachten Formen und Farben vielfach den Eindruck hervorgerufen hat, als handelte es sich um die allerältesten Knüpfarbeiten, die uns erhalten sind; sie stammen jedoch erst aus dem XVII. bis XVIII. Jahrhunderte.
Es sind somit alle Hauptgruppen alter orientalischer Teppiche gut, zum Teile in ganz hervorragender Weise, vertreten. Man unterscheidet bekanntlich als Hauptarten: die persischen und kleinasiatischen Arbeiten. Die Knüpfung der ersteren ist so hergestellt, daß ein Knotenfaden immer zwei Kettenfäden umschlingt, und zwar derart, daß neben jedem Kettenfaden ein Ende des Knotens emporragt, während bei der kleinasiatischen Knüpfung (Smyrnaknoten) die beiden Knotenenden immer nebeneinander zwischen einem Kettenpaare hervortreten. Bei dieser Art hat der Knoten die Tendenz, gerade emporzustehen, beim persischen, sich schräg zu legen. Nebenbei bemerkt sind aber auch kleinasiatische Teppiche aus kaiserlichen oder sonst großen Manufakturen, in denen oft persische Arbeiter beschäftigt wurden, in persischer Art geknüpft.
Die persischen Teppiche sind im allgemeinen, der ganzen Stellung der persischen Kunst im Orient entsprechend, künstlerisch mehr verfeinert; nicht selten macht sich in ihnen auch der, bei der Entwicklung der Weberei noch zu erwähnende, ostasiatische Einfluß geltend (Wolkenbänder, Kilins und anderes). Die alten kleinasiatischen Teppiche sind in Zeichnung und Farben meistens einfacher gehalten, in gewissem Sinne strenger stilisiert, doch in Farbe und Material gleichfalls sehr gut.
In [Indien] ist die Teppicherzeugung erst durch die mohammedanischen Herrscher eingeführt worden und lehnt sich an die persischen Vorbilder an; jedoch macht sich der im besonderen indische Geist in größerem Naturalismus und in freierer Verteilung der Formen geltend.
Die Teppiche der Nomadenvölker, besonders Zentralasiens, haben vielfach die ältesten Formen (geometrischer Art) erhalten und einseitig, in ihrer Art aber vollendet, weiter gebildet (Beispiele hierfür gegenwärtig im Saale II).
Die sogenannten Polenteppiche (Saal I, III und Saal VI) sind persische Erzeugnisse aus der Zeit zwischen 1550 und 1650, in Seide und Gold (Silber) gearbeitet, meist ziemlich bunt und mehr europäisch in der Zeichnung, da sie fast ausschließlich als Geschenke für europäische Staaten und Fürsten hergestellt wurden.
Unter den europäischen Knüpfarbeiten, die sich auch technisch von den erwähnten unterscheiden, wäre ein Stück aus der Zeit Ludwigs XIV. (eine sogenannte Savonnerie-Arbeit) mit reichem naturalistischen Blumenwerke hervorzuheben (Saal III).
Unter den Tapisserien[4] (Gobelins) ragt besonders eine Gruppe von sogenannten Verdüren hervor (Saal V und Saal VIII),[5] die auch dadurch bemerkenswert ist, daß die Stücke sehr verschiedenen Fabrikationsorten des XVI. und XVII. Jahrhunderts entstammen.