Nicht nur aus allen erwähnten Perioden der europäischen und vorderasiatischen Textilkunst (sowie aus der späteren Zeit des XIX. Jahrhunderts bis in unsere Tage) enthält die Sammlung hervorragende Proben oder ganze Kirchengewänder,[17] sondern auch von der übrigen mohammedanisch-orientalischen und der chinesisch-japanischen Erzeugung.
Unter den orientalischen Erzeugnissen sei besonders ein großes Pluviale (Saal VI) hervorgehoben, das aus einem ungewöhnlich breiten und prächtigen persischen Seidenstoffe des XVI. bis XVII. Jahrhunderts angefertigt ist.
Reich ist die Sammlung auch an alten ostasiatischen Stoffmustern, die großenteils noch vor Eröffnung Japans für den Welthandel dort durch den bekannten Diplomaten und Forscher Freiherrn von Siebold zusammengebracht wurden.[18]
B. STICKEREIEN.
Schon unter den ägyptischen Funden der spätantiken Zeit (s. S. 67) finden sich vereinzelt Stickereien, einige auch mit christlichen Darstellungen. Eine größere Anzahl ist dann aber erst aus romanischer Zeit vorhanden. Am hervorragendsten ist der sogenannte „Gösser Ornat“ (Saal VI), der wohl zu den bedeutendsten erhaltenen Textilwerken älterer Zeit überhaupt gehört. Er umfaßt Antependium, Kasel, Pluviale, das Gewand des Diakons und Subdiakons, ist somit ein vollständiger und wohl der einzige vollständig erhaltene Ornat aus romanischer Zeit. Die Entstehungszeit (zweites Viertel des XIII. Jahrhunderts) und der Entstehungsort (Göß bei Leoben) sind unbedingt gesichert; die Erhaltung, besonders der Farben ist fast einzig dastehend. Die Kasel ist allerdings auf eine kleinere Form zugeschnitten; doch sind die abgeschnittenen Teile größtenteils zur Ausbesserung der andern Stücke verwendet worden.[19]
Die Stücke können in gewisser Beziehung als ein Formenschatz der romanischen Kunst aufgefaßt werden.
Besonders zu bemerken ist noch die auffällige, der spätromanischen Zeit aber entsprechende Unsymmetrie aller Teile.
Ausgeführt sind die Stücke in Seidenstickerei, die den Leinengrund vollständig bedeckt; die Vorzeichnung, die heute stellenweise wieder sichtbar ist, mag in Salzburg angefertigt worden sein.
An mehreren Stellen wird in lateinischen Inschriften die Äbtissin Kunigunde (II.) als Verfertigerin des Ornats genannt. Bemerkenswert ist auch eine eingestickte gereimte mittelhochdeutsche Inschrift.
Ein hervorragendes Werk der spätromanischen Kunstrichtung ist weiters die Mitra von Arnoldstein, mit der Darstellung Christi und der Apostel und reichem Rankenwerke.