Zahlreich sind die späteren gotischen Figurenstickereien in sogenannter „englischer Stickerei“ sowie die Arbeiten in Lasurstich („burgundischer Technik“), welch letztere Art noch bis in die Renaissancezeit geübt wurde.
Von den mittelalterlichen Stickereien wären ferner verschiedene Paruren von Alben (auf Leinwand) zu erwähnen, da solche ziemlich selten erhalten sind.
Von den Renaissancestickereien wären besonders vier reiche frühflorentinische figurale Szenen in Lasurstich, dann italienische und spanische Applikationen[20] sowie zahlreiche Seidenstickereien auf Leinen zu erwähnen; ferner eine große süddeutsche Applikationsarbeit (Putten mit Festons und habsburgischem Wappen) aus der Zeit Erzherzog Ferdinands von Tirol († 1595).
Aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert stammen des weiteren große Stickereien in gros- und petit-point, wie sie besonders in Frankreich ausgeführt wurden (Saal X).
Die Barockstickerei tritt am glänzendsten in einigen kirchlichen Arbeiten hervor, unter denen besonders eine venezianische Kasel aus der Zeit um 1700 (mit reicher Ornament- und Figurenstickerei) als ein Meisterwerk der Zeit hervorgehoben sei.
Eine besonders in Österreich in der Barockzeit vertretene Technik (Stoffapplikation mit ausgeschnittenen Papierrändern)[21] ist in einer großen Anzahl von Mustern von den ersten bis zu den letzten Stadien der Ausführung aber auch in einzelnen großen Stücken zu beobachten.
Sehr reich ist auch die Sammlung von Stickereimustern (für Herrenröcke und Westen), wie solche in der Rokoko- und Louis XVI-Zeit in Frankreich gearbeitet und in die andern Länder versendet wurden. Auch sind ganze gestickte Gewänder von der Rokokozeit bis zur Biedermeierzeit vorhanden.
Aus der österreichischen Empirezeit ist eine besonders prächtige Reliefstickerei in Gold mit Adler und Namenszug des Kaisers Franz zu sehen (Saal VII).
Bei der Wichtigkeit der volkstümlichen Kunstentwicklung in den verschiedenen österreichisch-ungarischen Ländern ist es selbstverständlich, daß auch die Volkskunst in der Textilsammlung besonders Berücksichtigung finden mußte. Als umfangreichere Gruppen wären die slowakische, die dalmatinische, die slawonische und ruthenische hervorzuheben.
Von den orientalischen Stickereien ist ein persischer Männerrock mit reicher Figurenstickerei als eines der hervorragendsten erhaltenen Werke dieser Art aus dem XVI. bis XVII. Jahrhundert zu erwähnen (Saal VI).