Zwischen dem vorher beschriebenen und dem folgenden Schranke befindet sich eine von milchweißer Zinnglasur in dünner Schicht überzogene Reliefplastik, Madonna mit dem Kinde, eine Arbeit aus den Werkstätten der Della Robia. Luca della Robia, der berühmte Florentiner Bildhauer (1399-1482), gilt nach Vasari fälschlich für den Erfinder der Zinnglasur in Italien. Der übliche blaue Hintergrund und die bunten Fruchtkränze der Umrahmung sind bei diesem Werke weggeblieben, dagegen finden sich Spuren von Goldornamenten am Saume des Kleides der Madonna. Modellierung der Arme und Hände, Ausdruck und Gesamthaltung verweisen das Werk in die Zeit um 1450.

Im folgenden Schranke sind Erzeugnisse verschiedener italienischer Fabriken des XVI. Jahrhunderts ausgestellt. In der obersten Reihe besonders bemerkenswert die Schüsseln aus Caffagiolo, Gubbio (mit Rubinlüster), Pavia (mit Sgraffitodekoration), Castel Durante und Urbino, dem Hauptorte der italienischen Fayenceindustrie, von dem zwischen 1530 und 1620 jene ungeheure Menge von Majoliken ausgegangen ist, die den Weltruhm dieser Industrie begründet hat. Bildmäßige Darstellungen pflegen hier ohne Rücksicht auf die Form die ganze Fläche des Gefäßes zu bedecken. Szenen aus dem Alten Testamente, geschichtliche oder der Sage angehörende Vorgänge nach Livius oder Virgil und die Liebschaften der olympischen Götter nach Ovids Metamorphosen bilden die Hauptgegenstände der Darstellung. In der nächsten Reihe finden wir nebst Stücken aus Ravenna und Castelli in der Mitte eine hervorragend schöne Schüssel aus Siena mit dem Violine spielenden Apollo in der Mitte. Die unterste Reihe enthält durchwegs Arbeiten aus Castelli. Ebenso der folgende Schrank. In dieser zum Königreich Neapel gehörenden Stadt der Abruzzen und in zahlreichen Ortschaften ihrer Umgebung erfuhr die Fayenceindustrie im XVII. Jahrhundert eine späte Nachblüte. Ein Streben, dem Porzellan nahezukommen, ist dabei unverkennbar und kommt in der feinen Masse der gleichmäßigen Glasur sowie in den kalten, zarteren, nur in gebrochenen Tönen zur Verwendung kommenden Farben zum Ausdruck.

Zur duftigen Malweise gesellt sich bei feineren Stücken reichlich verwendete Aufhöhung mit Gold. Die Motive sind der bolognesischen Schule entlehnt, Tierstück, Landschaft, bäuerliches Genre, Bilder religiösen Inhalts, später auch Blumen. Die Ränder der Teller erhalten einen von der Fläche getrennten, oft äußerst reizvoll komponierten Dekor mit Putten und Blumengewinden. An Stelle der Schüsseln treten häufig viereckige oder kreisrunde ebene Platten, manche mit Malersignaturen von Mitgliedern der mit der neapolitanischen Fayencemalerei durch anderthalb Jahrhunderte eng verknüpften Familie Grue. Der hier vorkommende Dr. F. A. Grue lebte von 1686 bis 1746.

Zwischen beiden Schränken: Bacchusknabe der Fabrik Talavera in Spanien (XVIII. Jahrhundert). Im großen Mittelschranke sind besonders die prächtigen Urbino-Fayencen hervorzuheben, an der Stirnseite eine große Schüssel mit dem Sturze der Giganten und darüber eine kleinere mit Venus in der Schmiede des Vulkan, die in Gubbio, wo sich die durch ihren Lüsterdekor berühmte Werkstätte des Maestro Gurgio Andreoli befand, mit Rubinlüster versehen wurde. Zu beiden Seiten und auf der obersten Stufe schöne sogenannte Pilgerflaschen. Die beiden Deckelvasen zu Seiten der Gigantenschüssel sind charakteristische Stücke aus Castel Durante.

An beiden Langseiten sind hauptsächlich Venedig, ferner Urbino und Castel Durante in Schüsseln, verschiedenen Apothekergefäßen und Vasen vertreten, unter welchen zwei muschelförmige Becken mit Schlangengewinden besonders hervorragen. An der Schmalseite am Fenster eine vorzügliche Faentiner Schüssel mit der Anbetung der drei Könige.

Die meisten dieser Majoliken sind Eigentum des Stiftes Neukloster in Wiener-Neustadt.

Im folgenden Schranke an der Fensterseite sind in der obersten Reihe die durch ihr geringes Gewicht auffallenden venezianischen Relieffayencen des XVIII. Jahrhunderts aus der Fabrik Bertolini aufgestellt, dann folgen venezianische Fayencen mit bläulich getönten Glasuren (a berettino), in der dritten Reihe in der Mitte zwei blaue Schüsseln mit Golddekor, eine davon mit dem Wappen des Kardinals Ghislieri (Pius V.), links eine graublau bemalte Schüssel aus Castel Durante, im Fond Herkules im Kampfe mit der lernäischen Schlange, auf dem Rande von Hunden gehetzte Stiere, in der untersten Reihe oberitalienische Fayencen des XVIII. Jahrhunderts, hauptsächlich aus Nove.

Im links folgenden Schranke finden wir in den oberen Reihen Majoliken minderer Qualität aus bereits genannten Fabriken, in der unteren Reihe dagegen prächtige Sieneser Fußbodenfliesen aus dem Palazzo del Magnifico (Pandulfo Petrucci), um 1513, und solche aus dem Hause der heil. Katharina, um 1520. An der Pfeilerwand zwei Schüsseln aus Candiana bei Padua, Nachahmungen der sogenannten Rhodos-Schüsseln, mit Hinweglassung des charakteristischen Rot.

Am Pfeiler gegenüber dem großen Schweizer Ofen sind noch mehrere toskanische Majoliken des XVII. Jahrhunderts aus Montelupo ausgestellt.

FRANZÖSISCHE FAYENCEN.