Die Sammlung keramischer Objekte vom Ausgange der Antike bis in die Gegenwart umfaßt über 6000 Objekte, von welchen jedoch wegen Raummangels ein Teil in der ostasiatischen Sammlung im zweiten Stock und ein anderer ausgeschieden und im Depot untergebracht ist. Die Objekte sind nach historisch-topographischen Gesichtspunkten in der Weise systematisch aufgestellt, daß man an der Eingangsseite zunächst die orientalischen Erzeugnisse vor sich hat.

PERSISCHE UND TÜRKISCHE FLIESEN, WANDBEKLEIDUNGSPLATTEN AUS MOSCHEEN, GRABBAUTEN ETC.

Die echte Fayence, das heißt die keramischen Erzeugnisse mit undurchsichtiger Zinnglasur, reicht im Orient in sehr frühe Zeit zurück. Die ältesten auf uns gekommenen Stücke, in den Trümmern von Susa entdeckte, in Relief geformte Wandbekleidungsziegel mit bunten Zinnglasuren, stammen vom Palaste Darius I. (um 500 v. Chr.), sind aber ohne Zweifel späte Produkte einer aus älteren Kulturen Babylons oder Ninivehs stammenden Technik. Neben der Anwendung von Zinnglasuren ging unausgesetzt die Erzeugung von Fliesen mit durchsichtigen Bleiglasuren einher. Die einen wie die andern bestehen aus einer sandigen mit wenig Ton gemengten Masse, die mittels einer alkalischen Fritte zusammengebacken ist. Die ältesten Stücke unserer Sammlung reichen in das XIII. Jahrhundert zurück, das ist die Zeit, aus welcher die ältesten Fliesen mit Metallüster bekannt sind. Hierher gehören die mit braunrotem Kupferlüster verzierten Stern- und Kreuzfliesen aus der Imamzade Jahya (Heiligengrab des Johannes) zu Veramim bei Teheran. Zu dieser Gattung zählen auch die kleinen lüstrierten Sternfliesen mit Tierfiguren und blauen Rändern, deren Erzeugung vom XIII. bis zum XV. Jahrhundert reicht. Aus dem XIV. Jahrhundert stammen die in Relief geformten Fliesen mit blauen Koraninschriften auf ornamentiertem Lüstergrunde. Ebenfalls noch dem Mittelalter gehören die lasurblauen und türkisblauen Fliesen mit Vergoldung in Blattgold an. Die dunkelblauen Stücke zeigen überdies eine ungemein zarte Musterung mit kleinen weiß aufgemalten Ornamenten. In der Art der berühmten Fliesen von den Bauten des Osmanensultans Muhamed I. in Brussa (XV. Jahrhundert) sind die Stücke mit weiß ausgesparten Inschriften oder Ornamenten auf kobaltblauem Grunde, wobei in die weißen Ornamente bunte Pflanzenmotive hineingemalt sind. Derselben Periode gehören die geschnittenen Mosaikfliesen mit Inschriften und Ornamenten an. Ihre Entstehung ist auf das Einlassen von Koransprüchen u. dgl., die aus glasierten Fliesen geschnitten waren, in die Rohziegelwand hervorragender Gebäude zurückzuführen. Im weiteren Verlauf entwickelte sich aus dieser Bauverzierung eine der schwierigsten keramischen Techniken, die des vollständigen, ganze Flächen mit Ornamenten und Inschriften überziehenden Fliesenmosaiks aus eigens geschnittenen farbigen Platten verschiedenster Form. Zu höchster Prachtentfaltung hat sich diese Technik in der gegenwärtig dem Verfall entgegengehenden sogenannten Blauen Moschee in Täbris aufgeschwungen. Eine Gattung, die namentlich im XVI. und XVII. Jahrhundert zur Zeit der Sefevidendynastie eifrig gepflegt wurde, repräsentieren die Fliesen mit prächtigen Blumen und Rankenverzierungen in Dunkel- oder Türkisblau, Grün und Manganviolett auf weißem Grunde. In der neupersischen Kunst, das heißt seit dem XVI. Jahrhundert, nähern sich diese Pflanzenformen immer mehr der natürlichen Erscheinung der Pflanze. Ein besonders prächtiges Beispiel ist die in der Mitte der Wand angebrachte und über diese emporragende Kielbogenfüllung, aus 16 Fliesen bestehend, mit persischem Rankenwerk, von großem, rotem chinesischen Wolkenband durchzogen, ein Wandschmuck aus der Moschee Piali Pascha in Konstantinopel, 1565 bis 1570.

Eine Ergänzung findet diese Fliesenkeramik in den Gefäßen und Moscheekugeln, welche in den beiden Schränken an den gegenüberliegenden Wandpfeilern ausgestellt sind. Besonders bemerkenswert ein dunkelblaues vasenartiges Gießgefäß des XIII. Jahrhunderts aus Rhages, mit Überglasurdekor in Weiß, Rot und Gold, eine hellgrüne Flasche mit weißen Blumenstauden (Untersatz einer Wasserpfeife), XVII. Jahrhundert, eine ebensolche Moscheekugel und eine besonders große derartige Kugel des XVI. Jahrhunderts, im Rhodos-Stil verziert. Überdies zahlreiche sogenannte Rhodos-Teller und persische Nachahmungen des chinesischen Porzellans. Die sogenannten Rhodos-Fayencen sind keramische Arbeiten, die an den Ufern des Bosporus, in Kleinasien, Syrien und Ägypten angefertigt wurden. Die Masse ist ähnlich der der persischen Fayencen. Der vorwiegend weiß gelassene Grund ist auf eine Angusschicht zurückzuführen, über welcher die farblose Glasur liegt. Die zur Bemalung verwendeten Farben sind dieselben wie in Persien, bereichert durch ein feuriges Rot, eine Farbe, die aus verriebenem Bolus besteht, der dick aufliegend, eine etwas erhöhte Schichte bildet und unter dem Schutze der Glasur vor dem Abreiben bewahrt wird. Die Ornamentik setzt sich der Hauptsache nach aus Blumen (Tulpe, Nelke, Rose, Hyazinthe), aus den federartigen Blättern und blütenartigen Palmetten des persischen Rankenwerkes und sonstigen Elementen, wie Zypresse, Wolkenband etc., zusammen. Einige vorzügliche Schüsseln mit dem charakteristischen schwarzen Schnörkelwerk aus kleinen Spiralen, ein Blumentopf mit eckigem Henkel und Spuren von Vergoldung, Krüge und sonstige Gefäße veranschaulichen diese eigenartige und zu den mustergültigsten Schöpfungen der Keramik gehörende Gruppe in mannigfacher Art. Eine Zuweisung der einzelnen Objekte an bestimmte Fabrikationsorte ist der Forschung bisher nicht gelungen, nur eine Gruppe von Erzeugnissen, für welche der Krug mit Zinndeckel (Reihe 3) charakteristisch ist, wird als damaszenisch angesehen.

An der über Eck gestellten Wand, anschließend an die persischen Fliesen, sind spanische Azulejos ausgestellt. An Stelle der ursprünglichen kleinen Mosaikfliesen in geometrischen Formen hat man im XV. Jahrhundert auf orientalische Anregung hin der einfacheren Herstellung wegen größere quadratische Wandverkleidungsplatten angefertigt, auf welchen die Umrisse des Musters durch Formpressung in erhabenen Linien erscheinen, zwischen denen die farbigen Glasuren eingebettet waren, wodurch man eine mosaikartige Wirkung erreichte. Im XV. Jahrhundert trat an Stelle des alten geometrischen Musters und der geradlinigen Bandverschlingungen das Renaissanceornament. Hauptort dieser Industrie war Sevilla.

SPANISCH-MAURISCHE FAYENCEN.

Im ersten Schranke des auf die antiken Vasen folgenden Kompartiments sind die spanisch-maurischen Fayencen mit Lüsterdekor ausgestellt, Arbeiten, die den Übergang von den orientalischen Fayencen zu den italienischen Majoliken bilden. Die ältesten Nachrichten über diese Fabrikation reichen bis ins XII. Jahrhundert zurück. Mittelalterliche Stücke aus sarazenischer Zeit sind aber äußerst selten. Von der berühmten Alhambra-Vase aus dem XIV. Jahrhundert in Goldlüster und Blau gibt eine Kopie von Th. Deck in der Ecke links neben dem Eingange ungefähr eine Vorstellung. Die Mehrzahl der auf uns gekommenen spanisch-maurischen Fayencen besteht aus Schüsseln, Becken und Töpfen. Sie sind innen und außen mit gelblich getönter Zinnglasur überzogen und auf der Rückseite wie auf der Schauseite mit einer Verzierung in Goldlüster versehen. Manchmal tritt stellenweise Bemalung in Kobaltblau hinzu, auch Buckelungen nach Art getriebener Metallgefäße sind beliebt. Im XV. und XVI. Jahrhundert werden die Flächen durch Verteilung der Muster in Felder und Bordüren noch scharf gegliedert, Blattwerk erscheint hierbei gotisch stilisiert, die maurischen Schriftzeichen werden verständnislos ornamental verwendet, wovon die große Schüssel mit Kupferlüster, Reihe 3 rechts, ein Beispiel gibt. In späterer Zeit erscheinen an Stelle des prächtigen Goldlüsters dunklere Töne und vom XVIII. Jahrhundert an beginnt der Lüster eine grelle kupferrote Färbung anzunehmen. In der untersten Reihe sind Schüsseln, ebenfalls mit Metallreflex aus Diruta unweit Perugia ausgestellt.

ITALIENISCHE FAYENCEN (MAJOLIKEN).

Die italienischen Fayencen sind Töpfererzeugnisse mit deckender Zinnglasur, welche noch vor dem Brande mit Scharffeuerfarben bemalt wurden. Im Brande verschmolzen die Farben mit der Glasur und erhielten dadurch Glanz und Leuchtkraft. Um die Mitte des XV. Jahrhunderts erreichte die italienische Majolikamalerei eine künstlerische Höhe, von der sie gegen Ende des XVI. Jahrhunderts durch das erwachende Interesse für chinesisches Porzellan allmählich herabsank. Nur in Castelli, wo man sich zu Beginn des XVIII. Jahrhunderts dem Porzellangeschmacke anzunähern suchte, trat eine kurze Nachblüte ein.

In der ersten Blüteperiode (1490-1530) dominiert Faenza (daher Fayencen), in der zweiten (1530-1560) Urbino. Wegen der Ähnlichkeit der älteren Fayencen mit Produkten, die von der im Mittelalter Majolika benannten balearischen Insel Majorca kamen, nannten die Italiener diese Stücke Majolika. Unsere Zeit übertrug diese Bezeichnung auf die italienischen Fayencen der Renaissance überhaupt.