Eine eigenartige Gruppe attischer Keramik bilden die Salbgefäße für den Totenkult, die Grab-Lekythoi. Bei der feierlichen Aufbahrung des Leichnams wurden sie, mit Wohlgerüchen gefüllt, neben demselben aufgestellt, bei seiner Bestattung folgten sie ihm als Liebesgabe in das Grab. Diese Gefäße sind häufig mit einer weißen Engobe versehen, und die Konturen der Figuren sind mit Deckfarben ausgefüllt. Die Darstellungen stehen in naher Beziehung zu ihrer Bestimmung. Unter den Lekythen unserer Sammlung ist Nr. 351 mit der Darstellung einer Totenklage ein Stück von seltener Schönheit. In demselben Schranke verdienen ferner zwei Becher, ein „Kantharos“ in Form eines Mohrenkopfes, untere Reihe, Nr. 347, eine treffliche, sorgfältige Arbeit, und ein „Rhyton“ (Trinkbecher) in Form eines Fuchskopfes, Nr. 380 (obere Reihe), besonders hervorgehoben zu werden.

Attische Gefäße aus der Zeit des rotfigurigen Stiles ohne Bemalung finden wir im folgenden Wandschrank, obere Reihe, Nr. 401 ff. Hierher gehört auch der einzeln aufgestellte große prächtige Krater (Mischgefäß) mit vergoldeten Weinranken aus Capua.

Im vorher beschriebenen Wandschrank sowie in dem zweitfolgenden befinden sich hauptsächlich etruskische, zum Teil unter attischem Einflusse entstandene, ferner apulische und unteritalische Arbeiten. Unter den erstgenannten ragt die Kanne in der obersten Reihe links, Nr. 452, durch reiche sorgfältige Bemalung mit dionysischer Szene besonders hervor. Ferner verdienen die einer späteren Periode angehörenden apulischen Kopfvasen, Nr. 489 bis 491, und die mit weißer, gelber und roter Farbe bemalten sogenannten Vasi di Gnathia, Nr. 508 ff., hervorgehoben zu werden.

Zwischen diesen beiden Vitrinen befindet sich die mit der Sammlung griechischer Terrakotten aus Lokris, Cypern, Kleinasien, Syrakus, Tarent und aus unbestimmten griechischen und italischen Fundorten. Unter diesen Arbeiten sind einige Tanagrafiguren von hervorragender Schönheit besonders bemerkenswert. So die weibliche Figur, Reihe 3, Nr. 794, eine der besten Schöpfungen der tanagräischen Tonplastik, und Nr. 795, eine sorgfältige, schöne Arbeit von unzweifelhafter Echtheit, der Hermaphrodit aus Myrina der alexandrinischen Zeit angehörend, die Appliken mit Spuren von Vergoldung aus Tarent und die drei Puppen mit beweglichen Gliedern Nr. 891 ff. Überdies ist hier die große Anzahl von Repliken aus der Niobidengruppe (Reihe 1 und 2, Nr. 860 ff.) hervorzuheben.

Im letzten Schranke dieser Reihe sind verschiedene Typen italischer Lampen ausgestellt: Nr. 638 und 639 in Figurenform, 641 und 642 maskenförmig, 673 bis 696 mit figuraler Reliefpressung usw. Überdies sind hier die Calener Schale, Nr. 573, die Stempelform zu einer solchen Schale, Nr. 574, die sogenannten megarischen oder samischen Reliefschalen, Nr. 580 und 581, ein in der Masse krebsrot gefärbtes sogenanntes Terrasigillata-Gefäß, Nr. 587, und der römische Trinkbecher mit Reliefs und grüngelber Bleiglasur hervorzuheben.

In dem Schranke an der Eingangsseite rechts befindet sich die Sammlung Blum-Blankenegg. Hier sind in der untersten Reihe besonders bemerkenswert die zu den ältesten Vasengattungen gehörende ringförmige böotische Kanne Nr. 36, die Amphora späten korinthischen Stiles mit dem laufenden geflügelten Gorgonen Nr. 136, der altattische Teller mit Herakles, den kretischen Stier einfangend, Mitte Nr. 240, und der Aryballos mit dem Brustbilde der Artemis Nr. 363.

Frei aufgestellt finden wir ferner kolossale rottonige Vasen und große Schüsseln mit Reliefs sogenannte „Rotware“, in prächtigen Exemplaren. Die Dekoration ist mit Stempeln hergestellt, statt der Malerei sehen wir fries- oder streifenartig angeordnete Reliefverzierungen. Die Vorratsgefäße (Pithoi) zeigen überdies Riefelungen, die zugleich als Verstärkungsrippen dienen, und aufgelegte einfache Dekorationsmotive, wie Bogen, Zickzacklinien, Augen u. dgl.

Sodann haben, ebenfalls in freier Aufstellung, große spätantike Spitzamphoren, provinzielle Erzeugnisse aus Tharros in Sardinien, Platz gefunden. Überdies befinden sich an der Wand oberhalb der Schränke griechische und italische Architekturdetails dekorativer Art, zum Teil Spuren von Bemalung aufweisend.

Auf dem Eckschranke, frei aufgestellt, befindet sich eine Frauengestalt, eine Klagefrau mit erhobenen Händen und mit Spuren von Bemalung. Daneben eine große Grabvase, mit Gorgonenrelief und frei abstehenden Figuren, beide Stücke aus Apulien.

Unterhalb des Schrankes mit den römischen Lampen haben, obwohl sie das Gebiet der Keramik nicht berühren, Mumienmasken und Büsten der griechisch-römischen Periode aus Oberägypten Aufstellung gefunden.