Im ersten Wandschrank rechts repräsentieren die Reihen 1 und 2 die ersten Entwicklungsstadien griechischer Keramik, aus freier Hand ohne Benützung der Drehscheibe geformte Gefäße der vorphönizischen Nekropolen von Cypern. Diese Arbeiten zeichnen sich nicht allein durch primitive Einfachheit der Technik aus, sondern zeigen auch, wie die Bildsamkeit des Tones die schöpferische Phantasie bereits in den Anfangsstadien der Entwicklung einer keramischen Industrie zu überraschendem Formenreichtum verlockte. Die späteren Arbeiten dieser Gattung sind bereits unter Anwendung der Drehscheibe entstanden. Arbeiten der zweiten Periode der griechischen Keramik, des mykenischen Stiles, sind in der Sammlung nicht vertreten. Der folgende Stil, der nach dem Tore von Athen, in dessen Nähe die bedeutendsten Funde gemacht wurden, Dipylonstil heißt, ist dagegen in mehreren Beispielen repräsentiert. Die Arbeiten dieser Gattung setzen die geometrische Verzierungsweise der ersten Periode fort, ohne die Errungenschaften mykenischer Kunst, namentlich nach technischer Richtung zu ignorieren. Die Formen sind weniger willkürlich, in der Dekoration herrschen geradlinige Kombinationen vor: Mäander, Hakenkreuz, Zickzack, Schachbrett- und Rautenmuster, durch Tangenten verbundene Kreise etc. Daneben tritt die Sternrosette als Füllungsornament auf. An die Stelle der maritimen Tiermotive des mykenischen Stiles treten rohe, dem Geiste der Linienornamentik sich nähernde Tier- und Menschenfiguren. Unter diesen Typen ist namentlich der große Krug Nr. 30 charakteristisch, in dessen Dekor sich liebevolle Sorgfalt mit schematischer Trockenheit gepaart zeigen. Als gut erhaltene altapulische Arbeiten verdienen hier auch die zwei buntbemalten Lampenständer, „Thymiaterien“, Nr. 40 und 41 hervorgehoben zu werden.
Im nächsten Schranke sehen wir Vasen des VII. Jahrhunderts, bei denen der linearen Ornamentik im Dipylonstil das Auftreten phantastischer und exotischer Tiergestalten im korinthischen Stile folgt. Derselbe steht unter dem Einflusse der Euphratländer und Ägyptens. Die Vasenmalerei ergeht sich in der Darstellung von Greifen, Sphinxen, Sirenen, fischleibigen Dämonen, Löwen, Panthern etc., oft in Streifen eintönig nebeneinander gereiht, während das vegetabilische Ornament Lotosknospen und -blüten sowie die ebenfalls aus Ägypten stammende Palmette verwendet. Daneben tritt der Mensch auf. Typisch sind Kampfszenen, Frauenreigen, später auch tanzende Männer in absichtlich grotesker Zeichnung. Der Tongrund ist bei den älteren Stücken hellgelblich bis ins Grünliche, bei den späteren rötlich. Hierher gehören die kleinen kugelförmigen Ölgefäße der obersten Reihe, die schlauchförmigen Tropfgefäße der dritten Reihe, verschiedene Formen der Deckelbüchse, Reihe 4, Nr. 114 bis 120, die Trinknäpfe, Reihe 2, Nr. 89 bis 91, und die für die korinthische Kunstweise dieser Periode überaus charakteristischen Krüge, mit umlaufenden Tierfriesen, unterste Reihe, Nr. 125 und 128.
Im folgenden Schranke sind hauptsächlich schwarztonige Gefäße etruskischer Herkunft (Bucchero, Vasen) ausgestellt, Näpfe, Becher, Kannen und Amphoren, die durch Dämpfung eine schwarze Färbung erhielten, in der folgenden Reihe Amphoren mit in Relief verzierten Bandhenkeln, rechts Nr. 206 das interessanteste Stück, ein mit sieben Sphinxen in Relief verzierter Krug der voll entwickelten Bucchero-Technik. In der Mitte der dritten Reihe eine kyrenäische Schale (Nr. 140), das einzige Stück dieser Art in der Sammlung. Unter dem Schranke, freistehend, etruskische Aschenurnen mit liegenden Figuren auf den Deckeln.
Die nun in chronologischer Folge anschließenden schwarzfigurigen Gattungen sind in verschiedenen Schränken untergebracht. Zum Eingang zurückkehrend finden wir im linken Schranke in der Mitte der oberen Etage einen jonischen Deinos auf hohem Untersatz Nr. 215, zu beiden Seiten die nach ihrem Fundorte, dem etruskischen Caere benannten Caeretaner Vasen. Ihr Fabrikationsort dürfte in einer der jonischen Kolonien Ägyptens zu suchen sein, wo diese in Sammlungen nur selten vertretene Klasse im VI. Jahrhundert den Abschluß der jonisch-kleinasiatischen Vasenmalerei bildet. Die zwei Hydrien unserer Sammlung zählen zu den bedeutendsten existierenden Stücken dieser Gattung; ein besonders bemerkenswertes Objekt ist überdies der danebenstehende vorzüglich erhaltene Dreifuß altattischen Stiles aus Theben. In der darunter befindlichen Reihe finden wir Vasen (Nr. 220 und 221), die gleichsam ein Resumé der verschiedenen vorangegangenen Kunstweisen bilden.
Zum vierten Wandschrank zurückkehrend, finden wir kleinere attische schwarzfigurige Lekythen (Salbgefäße mit langem, engem Hals und trichterförmiger Mündung (Nr. 241-271), worunter namentlich Nr. 264 hervorzuheben ist) mit der ältesten Kopie der berühmten Statuengruppe des Antenor, die Tyrannenmörder Harmodios und Aristogeiton. Die größeren und bedeutenderen attischen Vasen dieser Periode sind in den beiden gegenüberliegenden freistehenden Schränken ausgestellt.
Die altattische Freude an reichem figuralen Schmuck, der alle Teile des Gefäßes bedeckt, erfährt bereits merkliche Einschränkungen, denn in der Keramik Athens machen sich im Laufe des VI. Jahrhunderts zwei Richtungen geltend: eine, die auf ausgiebige Verwendung der schwarzen Firnisdecke hinzielt und die auf die spätere Keramik Korinths zurückzuführen ist, und eine andere, die zugunsten eines ausgiebigen figuralen und ornamentalen Schmuckes auf die Firnisdecke verzichtet und als das kleinasiatische Dekorationsprinzip bezeichnet werden kann.
In dem Bestreben, beide Prinzipien zu vereinigen, liegt der Anfang des rotfigurigen Stiles. Den Übergang vom schwarzfigurigen zum rotfigurigen Stile bilden jene Vasen, welche die Malerei auf einzelne rechtwinkelige abgegrenzte Felder beschränken und im übrigen den schwarzen Firnisüberzug aufweisen. Beispiele solcher Art in den beiden gegenüberliegenden freistehenden Schränken. So die prächtige Hydria Nr. 222 und die Amphoren (Vorratsgefäße für Öl oder Wein) Nr. 223 bis 225. Der daneben befindliche Deinos Nr. 235 mit einer figurenreichen Darstellung auf dem oberen Rande gehört einer jüngeren Stilrichtung an.
Unter den attischen Vasen des späteren schwarzfigurigen Stils mit Meisternamen, von welchen die Sammlung mehrere besitzt, sind namentlich die Amphoren des Nikosthenes (Nr. 231 und 232) hervorzuheben. Sie lehnen sich mit Rücksicht auf ihr Hauptabsatzgebiet an etruskische Formen an, haben breite, wie aus Metallblech geschnittene Henkel und wie aus Streifen zusammengesetzte Körper. Bevor die rotfigurige Technik den Sieg davontrug, gab es eine Übergangszeit, in der beide Techniken verquickt erscheinen, wie dies bei der Amphora Nr. 319 im dritten der freistehenden Schränke der Fall ist, einem Stücke, das in mehr als einer Hinsicht zu den bedeutendsten der Sammlung zählt und drei Entwicklungsperioden an sich vereinigt: Am unteren Teile des Gefäßes Ornamente des älteren Stiles, am oberen rotfigurige Darstellungen, am Halse Dionysische Gruppen in schwarzfiguriger Technik. Der Übergang von der schwarzfigurigen zur rotfigurigen Technik geschah an den sogenannten „Augenschalen“, Schalen mit großen menschlichen Augenpaaren zum Schutze vor dem „bösen Blick“, wie zum Beispiel Nr. 285. Hier ist das Innere der Schale bis auf ein Mittelrund, in dem das Gorgonenhaupt erscheint, gefirnißt. Wahre Prachtstücke aus der Blütezeit der Schalenmalerei sind im vierten freistehenden Schranke Nr. 323, 324 und 3235, eine von Hieron, zwei von Duris bemalt; namentlich muß Nr. 325 mit Szenen aus dem troischen Sagenkreis als eine typische Musterleistung des letztgenannten Malers bezeichnet werden.
Die Krone der ganzen Sammlung ist aber das im danebenstehenden Schranke befindliche große napfförmige Mischgefäß Nr. 328 mit Szenen aus der Ilias. Ihre Ergänzung finden diese Stücke zum Teil in der darunter befindlichen Reihe. Hier ist die Schale Nr. 321 „Hermes als Schelm“ besonders interessant. Auch die Vasen der unteren Reihe in dem vor dem Fenster stehenden Schranke Nr. 340 ff. gehören hierher.
Wurden im strengen Stile die für das Symposion bestimmten Vasenformen von den Malern bevorzugt, so begünstigt der schöne Stil die Gefäße für den Putztisch der Frauen. Als Beispiel hierfür mögen die kleinen Salbgefäße, Fensterschrank obere Reihe, Nr. 354 ff., dienen, Stücke, bei welchen überdies in der Anwendung aufgehöhten Goldes und polychromer Malerei eine weitere technische Wandlung zu verzeichnen ist.