Über das Porzellan in diesem Zimmer vgl. Seite 172.
KERAMIK.
Die keramische Sammlung ist im neuen Museumszubau im ersten Stock aufgestellt und gibt ein anschauliches Bild der Entwicklung dieses Industriezweiges von der Antike bis in die Gegenwart.
Der Töpferton, ein Verwitterungsprodukt tonerdehaltiger Gesteine, ist teils seiner natürlichen Beschaffenheit nach, teils infolge künstlicher Beimengungen ein Material von außerordentlich mannigfaltigen Qualitäten, dessen Verwendung in die Frühzeit menschlicher Kultur zurückreicht. Verschiedenheiten des keramischen Produktes ergeben sich aus der Beschaffenheit und Zusammensetzung des Tones, der Stärke des Brandes, sowie aus der Art des Überzuges, der Glasur.
Die wichtigsten Etappen in der Entwicklung der europäischen Keramik bilden die Erfindung der Töpferscheibe, die Anwendung der Zinnglasur und damit die Herstellung der echten Fayence und die Entdeckung des Kaolintones, wodurch die Herstellung keramischer Erzeugnisse ermöglicht wurde, welche dem ostasiatischen Porzellan in allen wesentlichen Eigenschaften gleich kommen.
Die Aufstellung beginnt links vom Haupteingange mit der Sammlung antiker Vasen und Terrakotten.[27]
ANTIKE KERAMIK.
Die keramischen Erzeugnisse der alten Griechen wurden schon zu Zeiten Homers, also um das Jahr 1000, auf der Drehscheibe hergestellt. Sie sind uns zu Tausenden erhalten geblieben, da die Gräber der Verstorbenen nach antiker Sitte mit typischen Objekten aus dem Hausrate der Lebenden ausgestattet wurden. Ihre rote Farbe verdanken diese Erzeugnisse einem künstlichen oder bereits von Natur aus vorhandenen Zusatz von Eisenoxyd. Die meisten der Gefäße zeigen entweder schwarze Malerei auf rotem Grunde oder rot ausgesparte Darstellungen auf schwarzem Grunde. Die Malerei erfolgte auf dem noch ungebrannten Gefäße mittels einer schwarzen Farbe, die vermutlich aus Eisenoxyd und Mangan bestand. Gelegentlich wurde die Einförmigkeit dieser Malweise durch stellenweise aufgesetztes Weiß, Rot, Blau, Gold und so weiter unterbrochen. Das fertig gemalte Gefäß wurde sodann einem Brande ausgesetzt, der ihm entsprechende Härte und Glanz verlieh.
Die Sammlung antiker Vasen und Terrakotten im Österreichischen Museum umfaßt zwar bloß gegen tausend Nummern, übertrifft aber nicht nur in bezug auf Formenreichtum, Repräsentation verschiedener Entwicklungsperioden und Fabrikationsgebiete zahlreiche weit größere und ältere Kollektionen, sondern enthält auch einzelne Objekte, die vermöge ihrer Schönheit und Seltenheit in der Gesamtgeschichte der antiken Keramik einen hervorragenden Platz einnehmen.
Die Objekte sind nach historisch-geographischen Gesichtspunkten systematisch geordnet und aufgestellt. Nur in der Aufstellung der Sammlung Blum-Blankenegg mußte, den Schenkungsbedingungen zufolge, von der systematischen Aufstellung abgegangen werden, so daß sie ein von dem übrigen Bestande getrenntes Ganze bildet.