Ofen der Weggenzunft in Zürich, bemalt von David Sulzer aus Winterthur, 1725.
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GRÖSSERES BILD
An der Wand gegenüber den Öfen bemerken wir zunächst frei ausgestellt ein großes Weingefäß, eine in Sgraffitotechnik ausgeführte Arbeit des XVII. Jahrhunderts aus Montelupo. Im Anschlusse ist die große Sammlung von Ofenkacheln ausgestellt. Die Reihe beginnt beim Eingang mit einigen zum Teil noch mittelalterlichen Topfkacheln. Es folgen sodann fünf Kacheln des gotischen Ofens aus der Sakristei von St. Stephan in Wien. Nach dem Prinzip der ältesten Ofenkacheln, die napfförmig vertieft waren, um die Ausstrahlungsfläche zu vergrößern, bilden diese Kacheln tiefe Nischen, aus denen die figuralen Darstellungen auf weißem Tongrunde, mit bunten Bleiglasuren bemalt, im Relief hervortreten. Die Eckkachel in der Mitte stellt beiderseitig den Kampf Simsons mit dem Löwen dar und zeigt über Eck gestellt eine frei modellierte weibliche Figur im Kostüm des XVI. Jahrhunderts, ein Wappenschild mit dem Doppeladler, der den österreichischen Bindenschild als Brustschild trägt, haltend. Unterhalb dieser Kacheln befinden sich mit Graphit geschwärzte Reliefkacheln mit Einzelfiguren aus der Folge der drei guten Heiden, Juden und Christen nach Virgil Solis. Eine schöne Salzburger Kachel aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts ist ferner die bunte Kachel links unten in der Ecke mit der Figur eines der heiligen drei Könige. In der folgenden Gruppe sind hauptsächlich Nürnberger Kacheln des XVI. Jahrhunderts zusammengestellt, darunter Kacheln mit perspektivisch dargestellten Renaissancehallen, grün mit stellenweiser Vergoldung und zwischen ihnen die Kachel mit der Venus, eine der besten Arbeiten der deutschen Renaissance auf diesem Gebiete, ferner ornamental verzierte Kacheln von besonderer Schönheit. In der folgenden Abteilung bildet die bunte Bekrönungskachel in der obersten Reihe mit dem Stadtwappen von Vöcklabruck, zwei Schriftbändern und an den Seiten Schutzengel und Bergknappe, ein besonders hervorragendes Stück. Anschließend auf einem Sockel großer Salzburger Weinkrug mit aufgelegten Medaillons, Löwenköpfen und sonstigen Verzierungen, um 1600. Ein zweites, ähnliches Stück auf dem folgenden Sockel, darüber ein Schneideraushängeschild, doppelseitig mit Kostümfiguren und der Datierung 1605. Nach dem ersten der Salzburger Weinkrüge prächtige bunte Ofenkacheln mit allegorischen Figuren aus der Werkstätte des Salzburger Hafners H R um 1570, eine große figurenreiche Kachel mit der Kreuzigung und Teile eines Ofens mit Band- und Rankenmuster. Es folgt sodann eine Abteilung mit modernen Ausformungen aus alten, im Besitze des Museums befindlichen Originalmodeln des XVI. und XVII. Jahrhunderts. Daran schließen sich bunte Ofenkacheln mit den vier Jahreszeiten und schwarz glasierte Reliefkacheln, süddeutsche Arbeiten des XVII. Jahrhunderts, darunter eine ehemals kalt bemalte Kachel mit dem Wappen des Bischofs Julius von Würzburg. An die folgenden zwei Kachelreihen, siebenbürgische Arbeiten des XVIII. Jahrhunderts, schließt sich eine Gruppe bunt oder einfarbig bemalter Kacheln, die hauptsächlich Schweizer- und deutsche Arbeiten des XVII. und XVIII. Jahrhunderts sind. An der Ecke befindet sich ein Riesenkrug oberösterreichischer Herkunft mit der Inschrift Christoph Gschir 1741.
Über Eck gestellt finden wir eine kleine Sammlung von Delfter und hessischen Wandfliesen und zu unterst mittelalterliche Fußbodenfliesen mit Gravierungen aus der Kirche zu Heiligenkreuz.
Von hier in den Hauptraum zurückkehrend, haben wir in dem am Pfeiler stehenden Schrank zahlreiche Holitscher Fayencen. Die im XVIII. Jahrhundert gegründete Fabrik ging nach 1740 in kaiserlichen Besitz über, erlangte bald einen bedeutenden Ruf und wurde erst um die Mitte des XIX. Jahrhunderts aufgelassen. Es wurden daselbst zuerst Erzeugnisse in der Art von Castelli, dann solche nach chinesischen Vorbildern, darunter viele Figuren angefertigt. Einfacheres Geschirr war mit Blaumalerei sowie mit manganbrauner und grüner Malerei ornamentalen Charakters versehen. Weitere Gattungen waren die meist mit Obst, seltener mit Blumen bunt bemalten Service, die Stücke mit Rot-, Gold- und Buntmalerei, ähnlich wie die beiden hier ausgestellten Krüge, mit Susanna im Bade und der satirischen Darstellung eines handeltreibenden Bettelmönches. Häufig waren auch Gefäße mit plastischen bunten Blumen, solche in Form von Tieren, wie Papageien, Hühnern, Gänsen usw., reichgebildete Tafelaufsätze und von 1786 an, als die Fabrik auch Steingut erzeugte, die Imitationen von Wiener Porzellan und ein mittels Druckverfahrens erzeugter Dekor. Fast alle diese Gattungen sind in den oberen drei Reihen des Schrankes vertreten.
In der untersten Reihe Salzburger und Gmundener Fayencen des XVIII. und beginnenden XIX. Jahrhunderts. Im folgenden Schrank an der Fensterseite ist die deutsche Fayence in Blaumalerei, wie sie namentlich in Braunschweig, Hanau, Nürnberg, Ansbach, Bayreuth, Künersberg, Straßburg, Hamburg usw. nach holländischer Art schon im XVII., besonders aber im XVIII. Jahrhundert erzeugt wurde, ausgestellt. Sie hatte die Aufgabe, der holländischen über Frankfurt auch nach dem deutschen Süden eindringenden Ware durch möglichst gleichwertige heimische Erzeugnisse entgegenzuwirken.
Die Ähnlichkeit mit Delft erreichte namentlich Hanau in einem hohen Grade. In unserer Sammlung ist besonders Bayreuth, 1720 gegründet und von 1735 bis 1763 in vollster Blüte, gut vertreten. Die Bayreuther Arbeiten zeichnen sich gewöhnlich durch lichtes, durch weiße Pünktchen getrübtes Blau aus. Besonders hervorzuhebende Stücke sind: in der obersten Reihe zwei Vasen mit Rokokoornamenten aus Braunschweig, in der zweiten Reihe die Nürnberger Deckelkrüge, der erste mit Stadtansichten, der folgende mit der Darstellung einer Wochenstube und ein dritter mit der einer Straßenpflasterung sowie die Ansbacher Sternschüssel. In der folgenden Reihe die achteckige Künersberger Servierplatte, die drei Straßburger Fayencen von K. Hannong im „Style rayonnant“ von Rouen und die figurenreiche sechseckige fränkische Schraubenflasche mit Hirschjagd und Mahlzeit im Freien; in der untersten Reihe die ovale Platte auf vier Füßen von Knöller in Bayreuth. Außen am Schrank ist eine Schweizer Fayenceplatte mit reicher Renaissancearchitektur, den Hof des Königspalastes zu Jerusalem mit David und Bathseba darstellend und mit der frühen Datierung „1533“ angebracht.
In derselben Abteilung befinden sich zwei Schränke mit Delfter Fayencen des XVII. und XVIII. Jahrhunderts. Die Fayenceindustrie der Stadt Delft beginnt in den letzten Dezennien des XVI. Jahrhunderts und gewinnt um die Mitte des XVII. Jahrhunderts, unterstützt durch eine ununterbrochene Einfuhr als Muster dienender ostasiatischer Porzellane, sowie durch einen tüchtig organisierten Handel einen Weltmarkt, dessen Bedeutung erst durch die allmähliche Entwicklung des europäischen Porzellans im Laufe des XVIII. Jahrhunderts nach und nach schwindet. Von den verschiedenen Dekorationstypen, die während dieser Periode üblich waren, sind eine ziemliche Anzahl in der Sammlung vertreten. Wir finden chinesische Genreszenen, Stücke mit Inschriften, Übertragungen des „style rayonnant“ von Rouen, ferner Schüsseln mit Wappen, Tieren, Landschaften, Seebildern, Emblemen, Heiligen- und biblischen Figuren und ein Beispiel von Porträtmalerei. Was jedoch vorherrscht, das sind die ostasiatischen Motive. Die Objekte in Blaumalerei zeichnen sich durch besonderen Glanz der Zinnglasur aus, den sie durch Bestäuben mit fein zerriebenem Bleiglaspulver erlangt haben, der im Brande schmelzend die bemalte Oberfläche überzieht. Die vielfarbige Malerei entwickelte sich erst gegen Ende des XVII. Jahrhunderts und beruht hauptsächlich auf dem Dreiklang von Rot, Blau Grün. (Das Rot aus mehrfach gebranntem feinsten Bolus.) Eine andere Gattung, bei der gewöhnlich auch Gold zur Verwendung kam, imitiert die Farbenwirkung der japanischen Hizen-Ware und umfaßt Prachtstücke ersten Ranges, die an Schönheit die japanischen Vorbilder weit übertreffen. Dieser blau-rot-goldene Dekor (das Rot ein auf die fertiggebrannte Glasur aufgemaltes Eisenrot) ist durch vier Teller, wovon einer das Brustbild Karls VI. zeigt, und durch einen Krug mit vergoldetem Deckel charakterisiert. Die in der Sammlung vertretenen Meister sind in der Reihe, wie sie in den beiden Schränken aufeinander folgen: Adrian Pynaker, Lambert van Eenhorn, Huibrecht Brouwer, Cornelis van der Hoeve, Cornelis de Keizer, Jan Pieters, Geertruy Verstelle, Joost Brouwer und im Schranke nächst dem Fenster C. J. Messchert und A. C. van Noorden, Aebreyt de Keiser, J. G. van der Hoeven, Augestijn Reygens, J. G. L. Kruyk und J. Verburg.