Ludwigsburger Porzellangruppe „Toilette der Venus“, modelliert von Josef Weinmüller 1765 bis 1767


GRÖSSERES BILD

OSTASIATISCHE KERAMIK.

Die Chinesen sind zur Zeit der Tang-Dynastie (618-907) die ersten Erfinder des Porzellans gewesen. Bis zum XIV. Jahrhundert waren Bronzeformen für das gewöhnlich noch einfarbig glasierte Porzellan vorbildlich. Erst unter der Ming-Dynastie (1368-1643) beginnt nicht nur eine selbständige Entwicklung der Formen, sondern auch eine eigentliche Porzellanmalerei. Drei Arten werden dabei unterschieden: Die Unterglasurmalerei in Kobaltblau, die feuerbeständigste aller keramischen Farben, und daneben ein Kupferrot, das bald allein, bald in Kombination mit Kobaltblau erscheint. Ferner eine Schmelzmalerei auf Biskuit, endlich die Überglasurmalerei in bunten Schmelzfarben. Zu neuer Blüte gelangte das chinesische Porzellan wieder unter Kaiser Kang-shi (1662-1723), in welcher Zeit auch der Ausfuhrhandel nach Europa einen hohen Aufschwung nimmt. Porzellane mit gesprenkeltem blauen Grund (bleu fouetté) und solche mit ausgesparten weißen Mumeblüten auf blauem Grunde wurden in vorzüglicher Qualität hergestellt. Unter Kien-lung endlich (1736-1796) bevorzugte man namentlich die Überglasurmalerei in opaken Farben, die Porzellane der „famille rose“, die bereits unter dem vorangegangenen Kaiser Yung-chêng (1723-1735) erzeugt worden waren, und die, in denen ein Smaragdgrün vorherrscht (famille verte). Ferner kam in dieser Zeit das sogenannte Eierschalenporzellan auf und das durchbrochene und mit Glasur wieder geschlossene, das die Franzosen „grain de riz“ nennen.

Die Aufstellung der ostasiatischen Porzellane konnte nicht in chronologischer Reihenfolge durchgeführt werden, dagegen wurden die verschiedenen Gattungen zu größeren Gruppen vereinigt. Links vom Eingang sind die chinesischen, rechts die japanischen Porzellane untergebracht. Im ersten Schranke finden wir chinesische Exportware, zumeist Schüsseln und Teller, in der oberen Reihe vier Schüsseln der famille verte, eine davon mit dem Wappen von Friesland, dazwischen Kannen mit Blaumalerei, darunter eine mit vergoldeter Bronzemontierung aus dem Anfange des XVII. Jahrhunderts, eine sogenannte Wasserblase der grünen Familie und drei Waschbecken in Muschelform mit den dazu gehörigen Kannen. Die übrigen Schüsseln und Teller sind nach europäischen Vorlagen, meist Kupferstichen, in Schwarzlot, zum Teil mit etwas Gold dekoriert, manche von ihnen auch in bunten Emailfarben. Wappen, Monogramme, Genreszenen, Landschaften und biblische Darstellungen bilden die Motive, die durch ihre Umdeutung ins Chinesische einen ganz eigenartigen Charakter gewonnen haben. Diese Arbeiten entstammen durchwegs der Regierungszeit des Kaisers Kang-shi (1662-1723) und wurden hauptsächlich in Kanton ausgeführt. Im zunächst stehenden großen Schrank erblicken wir in zwei Reihen Seladonporzellane älterer und neuerer Provenienz, glatt, mit Reliefs oder mit eingravierten Ornamenten versehen. Diese mit Eisenoxyd trüb grünlich gefärbten Porzellane wurden bereits im Mittelalter erzeugt, fanden auch außerhalb Chinas schon in früher Zeit große Verbreitung und sind wahrscheinlich aus dem Bestreben hervorgegangen, den wegen seiner Härte hochgeschätzten Nephrit oder Jadeit nachzuahmen. Den Namen Seladonporzellan erhielt es nach dem grün gekleideten Helden eines Romanes des XVII. Jahrhunderts, „L’Astrée“ von Honoré d’Urfé. Der Hauptfabrikationsort ist Lungchüam (Provinz Chê-hiang).

In der obersten Reihe und an der linken Schmalseite des Schrankes befinden sich prächtige lasurblaue Porzellane, mit zum Teil bereits verwischtem leichtem Golddekor, Vasen und große Schalen aus der Periode Kien-lung, die großen Vasen in prächtiger, französischer Bronzefassung aus der Zeit um 1770. Eine an der Ecke stehende, im Hauptkörper zylindrische Vase mit langer Goldinschrift, ein schönes Beispiel des sogenannten bleu fouetté. An der entgegengesetzten Ecke zwei Vasen mit braunem Schuppenmuster im Fond und eine Wasserpfeife der Ming-Dynastie. Die folgende Breitseite des Schrankes nimmt in den unteren zwei Reihen die für Persien erzeugte chinesische Exportware ein, die durch einige für Siam angefertigte Stücke ergänzt wird. Bei diesen Porzellanen kommt, im Gegensatze zu den für China selbst erzeugten, das architektonische Dekorationsprinzip, das auf regelmäßiger Einteilung in verschiedene Dekorationsfelder beruht, mehr zur Geltung.

Im gegenüberstehenden Schranke sind verschiedene Dekorationsweisen in bunten Emailfarben vom Beginn des XVIII. Jahrhunderts bis in die Gegenwart zur Anschauung gebracht, besonders beachtenswert die fünf großen in Bronze gefaßten Vasen mit bemalten Reliefblumen und die Porzellane der rosa und der grünen Familie.

Im nächststehenden Schranke finden wir das chinesische und japanische Weißporzellan vereinigt, das elfenbeinfarben abgetönte sogenannte „blanc de Chine“ das mit Relief geschmückt, mit eingravierten Linien oder eingepreßten Ornamenten verzierte und das mit kalten Farben (Gold, Rot, Grün) bemalte Weißporzellan. Ferner sind hier mit Kupferoxydglasuren gefärbte meist chinesische Porzellane, rotes, sogenanntes „sang de bœuf“ und mannigfach geflecktes oder rot, violett, blau und grün geflammtes Porzellan („flambés“) zu einer Gruppe vereinigt. Darunter ein seltenes Beispiel des sehr geschätzten „peach bloom“, eine gesprenkelte Glasur, der Haut des Pfirsichs gleichend (das kugelförmige Töpfchen in der Mitte), und eine krakelierte hellblaue Vase mit untersatzartigem durchbrochenem Fußansatz aus der Zeit der Ming-Dynastie, 1368 bis 1643 (Mittelreihe links).

Der gegenüber befindliche Schrank enthält japanische Erzeugnisse, und zwar ältere Imari-Ware, so genannt nach dem Ausfuhrhafen für Porzellane aus Arita. Besonders hervorragende Stücke davon sind die drei Vasen mit buntem Blumendekor zwischen hellblauen Ornamentfeldern und manche von jenen in Emailfarben mit zarten Mustern dekorierten Stücken, die in Meißen und in Wien in den ersten Jahren ihrer Porzellanfabrikation als Vorbilder gedient haben (vergl. die älteren Stücke im Schranke mit dem Meißener Porzellan). Auf der gegenüberliegenden Breitseite des Schrankes befinden sich die braunrot dekorierten Porzellane aus Kutani in der Provinz Kaga, wo um 1660 eine Porzellanmanufaktur entstand. Man wählte hier, um die nicht ganz reine Masse zu verhüllen, einen den Grund möglichst deckenden Dekor. Ein dunkles Eisenrot bildet die Hauptfarbe, zu dem noch etwas Grün, Gelb und Schwarz hinzukommt.

An der gegen das Fenster zu gekehrten Schmalseite dieses Schrankes ist die elfenbeinfarbene mit goldenen und farbigen Malereien verzierte Satsuma-Ware zusammengestellt, Arbeiten, die durchwegs Exportartikel aus dem vorigen Jahrhundert sind, die an eine ältere, bessere Ware aus dem XVIII. Jahrhundert anknüpfen.