In dem gegenüber befindlichen Eckschranke sowie in den vier Ecken des Raumes sind die in Unterglasurblau bemalten japanischen Porzellane, namentlich große Schüsseln und Vasen, und die in Unterglasurblau, Eisenrot und Gold dekorierten Prunkstücke ähnlicher Art aufgestellt, die vom XVII. Jahrhundert an die vornehmste Exportware der Provinz Hizen bildeten.

In dem kleineren vor dem Fenster befindlichen Schranke finden wir japanisches und koreanisches Steinzeug verschiedener Art, vorwiegend mit ein- oder mehrfarbigen Glasuren ohne Malereien verziert, namentlich kleinere und größere Schalen und Töpfchen mit Überlaufglasuren u. dgl.

EUROPÄISCHES PORZELLAN.

Das europäische Hartporzellan besteht im wesentlichen aus feuerfester, weißer Kaolinerde und Feldspat, die gemischt und bei sehr hohen Hitzegraden gebrannt werden. Die Malerei erfolgt entweder vor Auftrag der Glasur (Unterglasur oder Scharffeuerfarben) oder auf das glasierte, fertig gebrannte Porzellan mittels Emailfarben, die in einem dritten, schwächeren Brande aufgeschmolzen werden. Frankreich und England erzeugten dagegen ein kaolinfreies Weichporzellan, das im Gegensatze zum Hartporzellan geringerer Hitzegrade zu seiner Herstellung bedurfte, daher bei der Bemalung über eine größere Anzahl von Farben ermöglichte und auch sonst in künstlerischer Hinsicht manche Vorzüge vor dem Hartporzellan besaß, dafür aber in technischer Beziehung minderwertig war. Im folgenden Raume hat das deutsche Porzellan mit Ausnahme von Wien Aufstellung gefunden.

MEISSEN UND ANDERE DEUTSCHE FABRIKEN.

Der eigentlichen Porzellanfabrikation, wie sie Böttger auf Grund seiner 1709 gemachten Entdeckung des Kaolins in Meißen einführte, war die Erzeugung einer Art roten Steinzeugs vorangegangen, das fälschlich unter dem Namen Böttgersches Versuchsporzellan bekannt ist und von dem ein Inventar vom Jahre 1711 2000 verschiedene Stücke aufzählt. Derartiges Steinzeug im Vereine mit verwandten Erzeugnissen befindet sich in der kleinen Vitrine links. Es sind mit Gold oder Silber, auch mit Gold und Silber dekorierte Gefäße, dann dunkelbraune polierte und geschliffene Stücke und solche, die, ähnlich wie das böhmische Kristallglas, mit Schliff und Schnitt verziert sind (zinngefaßter Walzenkrug und andere). Ferner Nachahmungen des Böttger-Steinzeugs aus Bayreuth und solche böhmischer Herkunft, endlich zwei Bunzlauer Krüge mit bunten Reliefauflagen.

Porzellane der Meißener Manufaktur aus der ersten Zeit sind in dem daneben befindlichen Schrank ausgestellt. Unter Böttger wurden Weißporzellane in Barockformen, nicht selten mit Reliefauflagen, erzeugt oder chinesische Formen nachgeahmt, von dieser Art ist die Deckelvase mit Weinlaubauflagen, daneben befindet sich ein Schälchen mit Goldauflagen, wie sie der Emailleur und Vergolder Christoph Konrad Hunger ausgeführt hat, und frühes Böttger-Porzellan mit Golddekor. Hervorzuheben die Büste des Kaisers Matthias von Johann Joachim Kändler aus der Serie deutscher Kaiserbüsten und ein Kruzifix von demselben Meister (abgesondert in der kleinen Eckvitrine), ferner die mit chinesischen Figuren buntbemalten Gefäße, die Metallformen nachgebildeten Frühstückskännchen, die nach Imari-Mustern bemalten Tassen, Becher und Teller, ein Dekor aus Herolds erster Periode (1720-1730), die Beispiele von Schneeballen- und von Fondporzellanen und der Teller mit in die Glasur geritztem und geschwärztem Dekor, signiert Busch 1763. Im folgenden Schranke, neben der großen freistehenden Berliner Vase mit dem Bildnis Friedrich Wilhelms III., Frühstücksservice, Schalen, Becher und sonstige Porzellane aus der Blütezeit Heroldscher Dekorationsweise, Uferszenen, Chinesen, Rokokofiguren, Reiterkämpfe etc. in reichster ornamentaler Umrahmung und mit Goldspitzendekor. In der unteren Abteilung der Vitrine Proben der Blumenmalerei in Meißen nach 1740 bis in die Periode Marcolini (nach 1774) im freistehenden Schautisch in der Mitte eine Schüssel mit dem Sulkowski-Steinschen Heiratswappen dazugehörige Bestecke, eine Schüssel aus dem Brühlschen Schwanenservice und andere Porzellane der Meißener Frühzeit.

Frankenthaler Porzellan, Wanduhr (Cartel), nach 1755


GRÖSSERES BILD