In dem vor das Fenster postierten Schranke befindet sich Berliner Porzellan von etwa 1765 bis 1840, darunter eine antikisierende Lampe mit Öl nachgießendem Genius in Biskuit nach einem Entwurfe von Percier und Fontaine, Teller und Teekanne mit Florentiner Mosaikimitation und zwei Rokokodéjeuners, ferner ein Kaffeeservice mit Landschaften der Fabrik Wallendorf (Thüringen) und zwei Nymphenburger Teller, gemalt von Anton Auer.
Im folgenden Schranke Porzellane aus Frankenthal, Ludwigsburg und Nymphenburg. Besonders hervorzuheben sind hier aus der Frankenthaler Fabrik eine Potpourrivase mit plastischen Drachen an den Henkeln, eine [Wanduhr] mit Rocaillen und ein Frühstückservice mit mythologischen Darstellungen, gemalt von Osterspei; aus Nymphenburg ein Rechaud mit Rokokoornamenten und französischen Gartenmotiven und aus Ludwigsburg ein Tintenzeug mit Rocaillen und Amoretten (oberste Reihe), entworfen von J. G. Trothe, dem ersten Direktor der Fabrik (1759-1762).
Anschließend unter Glassturz eine Kopenhagener Deckelvase mit dem Bildnis König Christians VII. von Dänemark.
Im anstoßenden Schranke folgt die figurale Plastik der hervorragendsten deutschen Fabriken, worunter besonders aus Ludwigsburg: vorzügliche Gruppen und Figuren von Pustelli, [Weinmüller] und J. Ch. W. Beyer (oberste Reihe); aus „Nymphenburg: „Il Capitano“ und „Colombine“ aus der italienischen Komödie; aus Höchst: Schäfergruppe und Venus mit Amor; aus Frankenthal: Bauernmädchen von Jos. Adam Hannong. Außerdem finden wir hier Gruppen und Figuren aus Meißen, Berlin, Ansbach, Limbach, Zürich und Marienberg.
Als Einzelstück steht zwischen dieser und der folgenden Vitrine eine Meißener Vase mit Chinesereien in Unterglasurblau und matter brauner und schmutziggrüner Farbe, ein seltener Dekor aus der Zeit vor 1720.
Die darauf folgende Vitrine enthält hauptsächlich deutsche und Schweizer Porzellane, darunter unbemalte figurale Plastik aus Berlin, einen Rudolstädter Schokoladetopf mit feiner Purpurmalerei, eine größere Vase mit Purpurdekor aus Fürstenberg, eine prächtige Teekanne mit Wüstenszenen der Züricher Fabrik, ferner einzelne Stücke aus Ansbach, Fulda, Kloster Veilsdorf, Höchst, Gotha, Volkstädt, Kopenhagen und Petersburg.
WIEN.
Die Wiener Porzellanmanufaktur wurde 1718 von einem Privaten, Claud. Innoc. Du Paquier gegründet, ging 1744 in Staatsbesitz über und wurde 1864 aufgelöst.[28] Die Erzeugnisse dieser Fabrik nehmen den ganzen folgenden Raum samt der daranstoßenden Galerie in Anspruch und sind in streng historischer Folge angeordnet. Die ersten drei Vitrinen enthalten Erzeugnisse der Periode Du Paquier. Wir finden zunächst Porzellane mit chinesischem oder japanischem Dekor, so die zwei Teller mit dem Wappen der Avalo, deren Randbemalung viele Ähnlichkeit mit der an den Wandleuchtern des später zu erwähnenden Zimmers aus dem Palais Dubsky hat. Ferner Porzellane mit bemalten Reliefauflagen in ostasiatischem Charakter, Krüge, Schalen und Kaffeetäßchen mit Imari-Mustern, zwei Ollio-Töpfe mit eckigen Henkeln, die auch ihrer Form nach auf chinesische Vorbilder zurückgehen, welche ihrerseits wieder Bronzegefäßen nachgebildet sind, was auch von der in der Mitte aufgestellten Butterschale in Form einer Schildkröte gilt. Weiters sind hier die den Hizen-Porzellanen in drei Farben (Unterglasurblau, Eisenrot und Gold mit gelegentlicher Anwendung von etwas Grün) nachgebildeten Erzeugnisse ausgestellt, die etwa von 1730 bis 1750 in der Fabrik üblich waren, und die im mittleren der drei Schautische auch nach der Richtung der Blaumalerei ihre Ergänzung finden. Schließlich sehen wir einige Porzellane, bei denen sich Barockformen geltend machen, wie die beiden Krüge mit Tigerhenkeln, die durchbrochenen Schälchen und die Kanne mit deutschen, das heißt in chinesischer Art behandelten europäischen Blumen.
Der folgende Schrank zeigt die Porzellane mit buntem Barockdekor, welche das prächtigste Genre der Du Paquier-Zeit repräsentieren. Hierbei spielen die Beziehungen zum ostasiatischen Genre noch vielfach in die Komposition hinein, ebenso wie der Dekor mit deutschen Blumen. Für die letztere Art sind die große ausgezackte Schüssel und der Walzenkrug mit dem Wappen besonders charakteristisch. Gleichzeitig können wir das Aufkommen einer figuralen Malerei in europäischem Sinne verfolgen, wie bei dem großen Deckeltopf mit dem Fruchtgehänge tragenden Putten, der diesem verwandten Teekanne mit jagendem Putto, in dem Trinkkrug mit Amoretten und Nereiden, der Déjeuner-Platte mit Schäferszene, der Schokoladetasse mit bunten Rokokofiguren usw.
Zu beiden Seiten dieses Schrankes sind zwei prächtige signierte Arbeiten des vortrefflichen Hausmalers für Meißener und Wiener Porzellan, Bottengruber, einzeln ausgestellt. Eine Schokoladetasse und eine Spülkumme, beide mit reichem Figurenschmuck.