Den dritten Schrank beherrscht das in der zweiten Hälfte der Du Paquier-Periode beliebt gewordene Genre des Barockdekors in Schwarzlotmalerei. Besonders beachtenswert die Terrine und die beiden Tokayerflaschen mit Türkenbüsten als Stöpseln und die große Schüssel darüber. Weitere Stücke in Schwarzlotdekor sind Hausmalereien, so das Tee- und Schokoladeservice von Karl Wendelin Anreiter von Zirnfeld mit Landschaften, ein anderes mit Uferszenen und Jagddarstellungen usw. In der Mitte eine prächtige Schokolade-Einsatztasse, beachtenswert durch die in dieser Zeit bei besonders feinen Stücken beliebte, eigenartige Dekorierung der Unterseite.

Im folgenden Schranke das Porzellan aus den ersten Jahren des Staatsbetriebes. Durchwegs ausgesprochene Rokokoformen, Teile von Speiseservicen mit Flechtmusterrand in Relief, bunten Blumensträußen und Streublümchen, überdies allerlei Porzellane mit Rocailledekor.

Die folgende Vitrine zeigt die Weiterentwicklung des Rokokogenres in den nächsten zwei Dezennien. Die Rocailleplastik tritt in den Hintergrund oder verschwindet ganz, die Formen bieten der Bemalung größere Flächen dar, die Weißdreherarbeit ist exakter, die Masse feiner. Die Malerei wendet sich mit Vorliebe kleinen, figuralen Darstellungen zu, die zunächst von Rokokokartuschen eingerahmt werden, später jedoch in freier Endigung in den weißen Porzellangrund überführen. Besonders fein durchgeführte Stücke sind die zwei Frühstückservice mit Rokokofiguren, ferner das mit den Reitergefechten und die Schokoladetasse mit dem Bildnisse Franz I. von Lothringen in Graumalerei nach einem Stiche von J. Schmutzer. In dem folgenden Schranke, der die Periode von 1770 bis 1780 umfaßt, zeigt sich mehrfach französischer Einfluß. So in den Porzellanen der obersten Reihe und in einzelnen Tassen der folgenden Reihen, in dem Flaschenkühler mit Biskuitreliefs und dem Déjeuner mit plastischen Blumen. Als Versuch einer Imitation von Wedgwoods Jasper-Ware präsentiert sich das in der Mitte aufgestellte Déjeuner mit weißen Relieffiguren auf blauem Grunde.

Ganz im Geschmacke der Louis XVI-Zeit ist die daneben befindliche, als Einzelstück aufgestellte Potpourrivase. Dasselbe urnenartige Modell, im Wiener Genre dekoriert, befindet sich als Gegenstück am andern Ende dieser Schrankreihe, während die alleinstehende große Vase in der Mitte zwischen beiden Schränken den Einfluß französischen Geschmackes um 1850 aufweist.

Die folgende Vitrine enthält Teile eines Tafelservices mit zierlichem, antikisierendem Reliefgolddekor und kobaltblauen Rändern. Die Stücke gehören der Zeit um 1780 an. Anstoßend sind die Porzellane der Sorgenthal-Periode (1784-1805) ausgestellt. Ein prächtiges Déjeuner in Kupferlüster mit Reliefgolddekor und einer Malerei in Purpur-Camajeu von Lamprecht, Cupido und Ganymed nach Angelika Kauffman, Dessertteller mit verschiedenartigen Malereien im Fond, reich dekorierte Kaffeetassen, sämtlich mit Reliefgold, endlich ein Frühstückservice mit Grisaillemalereien von Josef Neumann, umgeben von Golddekor in zwei Tönen auf dunkelblauem Grunde.

Im nächsten Schranke finden wir die Porzellane im Empiregeschmack, zum Teil im Genre der antiken Vasenmalerei dekoriert oder als Imitationen antiker Bronzen durchgeführt, ein Déjeuner mit neapolitanischen Landschaften usw., Arbeiten aus der Zeit zwischen 1790 und 1820. Die weitere Entwicklung in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts wird in der folgenden Vitrine vorgeführt.

Die freistehenden Tischvitrinen enthalten zahlreiche Arten von Kaffeetassen aus der Zeit von 1784 bis 1840 und Teller von 1760 bis 1840, ferner Porträtmedaillons in der Art von Wedgwoods Jasper-Ware und kleine Tafelmalereien, darunter das mit großer Feinheit ausgeführte und von Claudius Herr signierte Porträt des Grafen Mittrovsky.

Alt-Wiener Porzellanzimmer


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