Andere Tafelmalereien aus der Zeit von 1818 bis 1864 befinden sich an den Pfeilern sowie an der Innenwand der Galerie, wo sie im Verein mit der Porträtplastik in Biskuit, worin bereits Grassi, besonders aber Johann Schaller und Elias Hütter Vorzügliches geleistet haben und mit den großen Vasen, die Josef Nigg mit seinen sehr geschätzten Blumenmalereien geschmückt hat, von dem Kunstniveau in den letzten Dezennien der Fabrik Zeugnis geben. In den beiden Pultvitrinen an der Galeriewand sind die letzten Arbeiten vor der Auflösung der Fabrik ausgestellt, darunter auch Teile des 1821 bis 1824 für König Georg IV. von England ausgeführten Tafelservices.
Die Wiener figurale Kleinplastik ist in den beiden an der Innenseite der Pfeiler befindlichen Schränken und in der kleinen Mittelvitrine ausgestellt. Wir finden Varianten von Meißener Motiven, wie zum Beispiel die sitzende weibliche Figur mit dem Salzfaß, den Mann mit dem Krug und andere. Wiener Typen und Wiener Straßenfiguren, wie die Kellnerin, die Maroniverkäuferin etc., diverse Gruppen, darunter Erzherzog Leopold II. mit seiner Familie, dann in der Mittelvitrine Callot-Figuren, eine Porträtbüste Franz I. von Lothringen, zwei Gruppen des ersten Modellmeisters Johann Niedermayer, Taten des Herkules, ein junges Mädchen mit Pfau (Die Eitelkeit), die polnische Familie und anderes. Im zweiten Pfeilerschrank finden wir Biskuitfiguren im klassizistischen Geschmacke nach Modellen von Anton Grassi und andern, meist Teile von Tafelaufsätzen.
Im folgenden Kompartiment werden uns die französischen, italienischen und englischen Porzellane vorgeführt. Der erste Schrank enthält französisches Hartporzellan vom Anfange bis gegen die Mitte des XIX. Jahrhunderts, reich dekorierte Kannen, Teller und Kaffeetassen aus Sèvres und aus verschiedenen Pariser Manufakturen, die zu Ende des XVIII. Jahrhunderts entstanden waren, hauptsächlich aus der des Duc d’Angoulême von Guerhard & Dihl.
Die nächste Vitrine enthält Beispiele von Weichporzellan von Sèvres. Ein besonders prächtiges Stück, eine türkisblaue Deckelterrine mit bunten Früchten und Blumen in weißen Reserven, ferner Teller und Tassen verschiedener Art sowie ein Beispiel von sogenanntem Juwelenporzellan. Ferner sind hier einzelne Stücke aus Chantilly, ein Kännchen der Manufacture de porcelaines dites à la Reine, drei hervorragend prächtige Tassen der Fabrik von Guerhard & Dihl, einige Porzellane aus Saint Cloud und je ein Stück aus Vincennes und Nyon (Kanton Waadt) ausgestellt.
Im nächsten Schranke finden wir Teile eines großen Tafelservices in Hartporzellan, das nach 1840 in Sèvres ausgeführt wurde. Die einzelnen Stücke sind mit Darstellungen aus industriellen und landwirtschaftlichen Betrieben der verschiedensten Art in Frankreich und seinen Kolonien bemalt und mit der höchsten technischen Vollendung und künstlerischen Delikatesse durchgeführt. Das Service bildete ein Geschenk des Königs Louis Philippe von Frankreich an den Staatskanzler Fürsten Klemens Metternich anläßlich der am 10. Oktober 1846 stattgefundenen Hochzeit seines Sohnes Antoine Philippe Louis von Orléans Herzogs von Montpensier mit der Infantin Marie Louise von Spanien. Weitere Stücke dieses Services sind in der freistehenden Tischvitrine ausgestellt. Auch der folgende Schrank enthält Teile von Tafelservicen aus Hartporzellan aus Sèvres sowie ein Déjeuner und andere späte Sèvres-Porzellane. Frei aufgestellt zu Seiten der letztgenannten vier Schränke vier Vasen der Fabrik Neapel aus der Zeit um 1800.
Die folgende Vitrine enthält italienisches und spanisches Porzellan. Es sind die Fabriken von Venedig, Capo di Monte, Neapel und Buen-Retiro in einzelnen Stücken, sowohl in Gefäßen wie figuralen Arbeiten repräsentiert. Besonders hervorzuheben eine Deckelterrine mit Untersatz aus Nove mit Darstellungen aus dem Leben eines italienischen Offiziers aus der Zeit Napoleons I.
Die entsprechende Vitrine der andern Seite enthält Wedgwood-Arbeiten und englisches Porzellan, unter den erstern ist hauptsächlich die blau-weiße Jasper-Ware vertreten, und überdies finden wir einzelne Beispiele in der sogenannten „Parianmasse“ (Klytia), in „Rosso antico“, „Bamboo-ware“, und „Egyptian black“. Besonders hervorzuheben ist ein seltenes Stück Jasper-ware, eine lila Deckelvase mit weißen Reliefauflagen aus der Zeit um 1785. Im unteren Fache sind einzelne Stücke von Wedgwoods „Queen-ware“, ferner Fabrikate, namentlich Teller von Derby, Chelsea-Derby und Worcester ausgestellt.
Man gelangt nun in den der modernen Keramik gewidmeten Raum und hat zunächst in der einen großen Vitrine links Erzeugnisse deutscher, englischer, holländischer und skandinavischer Fabriken aus den letzten zwei Dezennien vor sich. Es sind hier die Arbeiten von Heider in München, Läuger in Karlsruhe, Mutz in Altona, Schmidt-Pecht in Konstanz, ferner solche aus Gustavsberg in Schweden, Haag, Delft und Utrecht in Holland, Kähler in Dänemark sowie von De Morgan und Rathbone in England.
Der nächste Schrank enthält französische Keramiken aus der Zeit um 1900, Schüsseln und Vasen von Lachenal, Dalpeyrat, Clément Massier, Utzschneider und solche aus Bourg la Reine, Glattigny und Choisy le Roi. Es folgt ein Schrank, in dem hauptsächlich das Porzellan der königlichen Manufaktur in Kopenhagen sowie das von Bing & Gröndahl daselbst und der Fabrik Roerstrand in Stockholm vertreten ist. Der große Mittelschrank enthält Sèvres-Porzellan von der Weltausstellung 1900, ferner Rozenburger Geschirre dieser Zeit und Fabrikate von Damouse in Paris und Rookwood in Cincinnati. In den drei vor dem Fenster befindlichen Schränken finden wir einige Porzellane österreichischer, französischer und englischer Herkunft aus der Zeit von 1870 bis 1890, sodann Keramiken von Zsolnay in Fünfkirchen und aus verschiedenen österreichischen Fachschulen, ferner einiges aus der Wiener k. k. Kunstgewerbeschule und im kleinen Schranke in der Mitte moderne figurale Plastiken, Wiener Arbeiten von Kirsch, Löffler und Powolny und andern, überdies eine Porzellangruppe von Waekerle in Nymphenburg.
Eine der bedeutendsten Erwerbungen des Museums ist das 1912 im Anschluß an diesen Raum zur Aufstellung gelangte [Alt-Wiener Porzellanzimmer] aus dem Palais Dubsky in Brünn (vgl. [Seite 117]). Es gehört zu den frühesten und umfangreichsten Erzeugnissen der 1719 gegründeten Fabrik und wurde auf Bestellung des Grafen Czobor de Szent Mihaly, der 1728 starb, und dessen Wappen sich ober dem Spiegel am Fensterpfeiler befindet, angefertigt, wahrscheinlich aber erst unter seinem Sohne Josef vollendet. Es erfuhr noch unter Josef Czobor von dem unbekannten Ort seiner ursprünglichen Aufstellung eine Übertragung nach Brünn, die kleine Veränderungen zur Folge hatte, und ging 1762 in den Besitz der Familie Piatti von Tirnowitz über, was abermals unbedeutende Änderungen, wie das Anbringen der im Louis XVI-Stile ausgeführten Uhr und die Einfügung neuer Porträte in die bereits vorhandenen Rahmen zur Folge hatte. In seiner Gesamtheit erweckt das Zimmer in seinem reichen Schmucke von rund 1400 Porzellanplättchen und 121 verschiedenen Porzellangegenständen, seiner prächtigen alten Wandbespannung, den üppigen, geschnitzten und vergoldeten Ornamentauflagen und den reich geschnitzten, ebenfalls vergoldeten und mit Porzellanplättchen verzierten Möbeln den Eindruck seltener Einheitlichkeit und auserlesener Pracht. Eine auch in technischer Hinsicht höchst beachtenswerte Leistung ist der große Kamin mit sogenannten „deutschen Blumen“, einzig in ihrer Art sind die zierlichen Luster und Wandleuchter mit ihrem figuralen Schmuck von Vögeln und Chinesen. Letztere sind ebenso wie die 70 Vasen, die Zierplatten und Teller nach Art der japanischen Imari-Porzellane bemalt. Als einziges uns erhaltenes Porzellanzimmer der Du Paquier-Zeit gehört es zu den wichtigsten und schönsten Denkmälern der Wiener Fabrik.