In Böhmen und Schlesien beginnt die klassische Zeit des Glasschnittes mit den wuchtigen, im Hochschnitt verzierten Gläsern. Ein solches Glas sehen wir in der obersten Reihe der folgenden Vitrine. Es trägt ein Allianzwappen des Gundaker Grafen Althan und ist mit schweren Akanthusranken verziert. Andere Gläser dieser Reihe zeigen eine Kombination von Hochschnitt und Tiefschnitt. In der Folgezeit beherrscht der leichter auszuführende Tiefschnitt fast die gesamte Produktion. Etwa zwischen 1680 und 1700 ist ein Dekor mit kleinen dichten Blumen üblich, der ohne besondere Gliederung, nur durch umkränzte Medaillons mit Porträten, Wappen u. dgl. unterbrochen wird, wie wir es an einigen Beispielen der folgenden Reihe sehen. Nach 1700 tritt eine Dekorationsweise mit großen Ranken und hineinkomponierten Blumen- oder Fruchtbüscheln auf, die Flächen sind nur mit leichtem Rankenwerk in lockerer Anordnung verziert und gleichzeitig kommt selbständig oder in Verbindung damit ein kalligraphisches Schnörkelwerk in Verwendung, wie wir es an einigen Beispielen der untersten Reihe und im folgenden Schranke sehen. Im zweiten Viertel des XVIII. Jahrhunderts tritt der prunkvolle Dekor mit Laub- und Bandelwerk auf, der eine üppige Umrahmung zu einer Hauptdarstellung, einem Porträt, einer architektonischen oder sonstigen Vedute, einem Wappen, Monogramm etc. bildet. Die Fläche ist gleichmäßig bedeckt, mattgeschliffene Bänder mit klar geschliffenen Kugelungen oder Streifen bilden das Gerüst des Blattwerks, Lambrequins, Baldachine, Trophäen, Putten, Tiere, Blumenvasen, kleine Landschaftsbildchen treten dazwischen. Die beiden folgenden Schränke weisen zahlreiche Arbeiten dieser Art auf. An den schlesischen Pokalen sind zwei Hauptformen zu bemerken. Bis etwa 1740 erscheint der untere Teil des Kelches eingezogen und mit blumenkelchartig gebildeten Fassetten verziert, die sich auf der Kuppa fortsetzen. Später hat die Kuppa keine Fassetten, und der kahle, stangenförmige Schaft geht mittels eines Kugelknaufes in den Kelch über. Besondere Formen zeigen die ovalen und oft auch muschelförmigen Konfitüreschälchen, die sich in solche mit und andere ohne Goldrand scheiden, sowie die Pokale, die ohne Schaft direkt, nur durch eine Einschnürung vermittelt, auf dem Fuße aufsitzen.

Um 1760 treten in Böhmen die Gläser mit ausgesprochenem Rokokoornament und zierlicher Randmusterung auf, wovon namentlich die zwei Pokale mit in Metall ergänztem Fuß Zeugnis geben. Nach 1775 unter dem Einfluß des Louis XVI-Stiles wird der Glasdekor einfacher und schlichter, es treten sowohl ganz dünnwandige Gläser auf, wie eine Anzahl in der untersten Reihe des vorletzten Schrankes ausgestellter Gläser zeigt, als auch schwere Formen mit dickem quadratischem Fuß, wie wir es in den beiden letzten Schränken sehen. Mit Beginn des XIX. Jahrhunderts zeigt sich bei den Gläsern aus Haida, Steinschönau und Blottendorf eine neu erwachte Farbenfreude, die sich sowohl in prächtigen Überfanggläsern sowie in den Hyalit- und Lithyalingläsern äußert, von denen wir in der vor dem Fenster aufgestellten Vitrine einige Beispiele finden. Hier sind auch Gläser mit durchsichtiger Emailmalerei nach Sigismund und seinem Sohne Samuel Mohn, Mohn-Gläser genannt, und gleichartige Arbeiten des Wieners Kothgaßner ausgestellt.

Ein kleiner Schrank am Pfeiler enthält verschiedene chinesische und japanische Glasarbeiten. An der Lampe geblasene Gläser (Uhrgehäuse, Nähkästchen etc.) sind in zwei andern Vitrinen an der Innenseite der Pfeiler ausgestellt.

Die übrigen Schränke enthalten moderne österreichische, französische, englische und amerikanische Glasarbeiten aus der Zeit von etwa 1880 bis zur Gegenwart. Besonders reich ist die Firma J. & L. Lobmeyr mit zahlreichen und vorzüglichen bunten und geschnittenen Glasarbeiten vertreten.

[29] Bucher, Br., Die Glassammlung des k. k. Österr. Museums. Geschichtliche Übersicht und Katalog. Mit 13 Tafeln. 1888.

GLASMALEREIEN.

Mit Rücksicht auf räumliche Verhältnisse ist die kleine Sammlung alter Glasmalereien teils in der Sammlung von Glasarbeiten, teils im Saale IX aufgestellt.

Die hier ausgestellten beginnen in der Ecke links mit einer Dreifaltigkeitsdarstellung aus dem XIV. Jahrhundert aus dem Stifte Heiligenkreuz in Niederösterreich. Es folgen Glasmalereien des XV. Jahrhunderts aus St. Stephan in Wien, Architekturen und religiöse Darstellungen, ferner zwei größere Tafeln aus Wiener-Neustadt aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts, darstellend Philipp den Schönen und Johanna von Kastilien an einem Altar kniend, hinter ihnen ihre Namenspatrone. Darunter zwei kleinere italienische Glasmalereien aus dem Anfange des XVI. Jahrhunderts und eine französische Arbeit aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts, beides Stücke, die mit der gleichzeitigen Ölmalerei wetteifern. Im folgenden Fenster eine Tafel aus dem Ende des XV. Jahrhunderts mit dem Wappen von Österreich, Burgund, Kastilien usw., eine Dreifaltigkeitsdarstellung aus dem XVI. Jahrhundert und eine Wappentafel mit Ornamentumrahmung, datiert Nikol ... Delft pinxit 1608. Weitere Glasmalereien sind im Saal IX ausgestellt. Wir finden hier zunächst vier prächtige Schweizer Scheiben, Kabinettbilder von köstlicher Zartheit der Ausführung. Das erste mit dem Monogramm A H ist die Arbeit eines der besten Schweizer Glasmaler, des Andreas Hör aus St. Gallen, das folgende mit Bacchus ist unbezeichnet. Von dem berühmten Züricher Glasmaler Christoph Maurer ist das dritte Bild „Der Sommer“ ausgeführt, das die volle Signatur des Meisters samt der Datierung 1597 trägt. Das vierte, „Jakobs Traum“, ist unsigniert. Die auf diesen Scheiben angebrachten Wappen sind Nürnberger Geschlechterwappen, unter welchen das Tuchersche, Behaimsche und Stromersche konstatiert werden konnte. Die darunter befindlichen Rundscheiben sind deutsche Arbeiten aus dem XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts. Im nächsten Fenster finden wir braun abgetönte Schwarzlotmalereien mit Silbergelb, auch Kunstgelb genannt, eine technische Neuerung des XIV. Jahrhunderts, die von da ab ununterbrochen in Übung bleibt. Besonders hervorzuheben die Darstellungen aus der Legende vom verlorenen Sohne und die Rundscheiben des XV. Jahrhunderts, mit Grablegung und Christus in der Vorhölle. Ebenfalls dem XV. und XVI. Jahrhundert gehören die acht Glasmalereien am folgenden Fenster an, darunter eine prächtige spätgotische Madonna in der Strahlenglorie. Die zweite Schweizer Scheibe am nächsten Fenster, ebenfalls mit A H signiert und von 1566 datiert, trägt das Wappen des Paulus Fer, Bürgermeisters zu Kempten. Außerdem finden wir hier zwei Kreuzigungsbilder aus dem XV. und XVI. Jahrhundert, eine frühgotische kleine Scheibe mit der Anbetung der heiligen drei Könige und verschiedene Wappenscheiben des XVI. Jahrhunderts.

VERZEICHNIS DER LITERARISCH-ARTISTISCHEN PUBLIKATIONEN DES K. K. ÖSTERREICHISCHEN MUSEUMS.

Mitteilungen des k. k. Österreichischen Museums. I. Heft 1864. Enthaltend organisatorische Bestimmungen etc. (Österr. Museum.)