Sie haben das Rennen gewonnen“, sagte der kluge, kleine Japaner.

Sybil zuckte die Achseln.


Sylvester lag angekleidet auf seinem Bett. Graues Schicksal: dem Wort zu dienen. Dem schwesterlichen Chaos. Den torkelnden Träumen. Als ob ich ein lebendiger Mensch würde, wenn ich auf einem lebendigen Pferd reite. Pferde tragen auch Schatten, oder, im Zirkus, hold uniformierte Affen auf ihrem Rücken. Was wiege ich eigentlich? Hundertacht Pfund. Das richtige Jockeigewicht. Was Sybil sich bei diesem Sieg denkt? Was habe ich gewonnen? Ein paar sensationelle Notizen in der Tagespresse. Mein Bild als Reiter in der „Woche“, der „Berliner Illustrierten Zeitung“ und im „Weltspiegel“. Seewald wird mich als Reiter ernstkomisch in Holz schneiden und das schwarze Bild farbig betupfen. Denn man muß mich erst künstlich bunt machen. Ich bin so ermüdet, als hätte man mich zu Graubündner Fleisch geritten. Ich wage diesen Wahnsinn des heutigen Rittes, den Wahnsinn des abendlichen Schauspiels vor den erglühten Rampen. Würde ich wagen, Sybils Hand zu küssen? Nie.

XIII.

Die Vorstellung das „Weib“ im Kurtheater ging vor ausverkauftem Hause in Szene. Nach dem Rennerfolg des Nachmittags war der Züricher Korrespondent des „Berliner Blattes“ im Auto herbeigeeilt, um dem Schauspiel beizuwohnen und telegraphisch darüber nach Berlin zu berichten.

„Sensationelle Sache“, sagte er zu Pein. Es war ein dicker jüdischer Herr mit einer Hornbrille, hinter der zwei grüne Eulenaugen hervorsahen.

„Die Lindquist ist schwer krank. Vielleicht stirbt sie auf der Bühne. Und dieser olympische Stern am Himmel des Turfs: Sylvester Glonner: als erstklassiger Dichter, erstklassiger Jockei, erstklassiger Schauspieler, wie?“

„Na“, sagte Pein und verabschiedete sich, verärgert, daß der Korrespondent sich nicht mit ihm befaßte.

„Altes Eisen,“ sagte der jüdische Herr zu Dr. Buri, als Pein gegangen war, „ich darf ihn beim besten Willen nicht mehr ernst nehmen. Als Schriftsteller meine ich. Als Schauspieler kenne ich ihn ja noch nicht. Aber diese mystischen Fatzkereien. Ekelhaft.“