Er mußte sich zusammenreißen, um in keinen Wutanfall auszubrechen. Um nicht Schaum vor die Lippen zu kriegen.
„Das ist Krieg!“ dachte er entsetzt, „da fließt Blut ...“
Der kleine Japaner lächelte, freundlich interessiert.
Europäer ... dachte er. Sie haben alle Hitze aus dem Äther in sich hineingesogen und verbrennen nun an- und ineinander unter einem kalten Himmel. In Japan trippeln unter einem heißen Himmel kalte Menschen auf Holzschuhen im klappernden Stakkato. Und ihre Liebe duftet weiß, kühl und weiß wie die Schneeblüte des Fushijama.
XVI.
Die Fastnacht galt in Davos als Freinacht. Sie unterlag in den Wirtshäusern keiner Polizeistunde.
In der Pension erschien ein jeder kostümiert zum Abendessen. Nach dem Abendessen wurde rote Bowle und Rosinenkuchen gereicht.
Der Thorax wütete als Sioux, die Skalpe seiner Gäste am Gürtel, atemlos durch den Saal. Er mußte sich alle Augenblicke setzen. Klunkenbul gebärdete sich als ägyptischer Magier: er hatte sich eine Decke vom Liegestuhl würdig um den Bauch geschlungen.
Die Operettensängerin, als Balletteuse bekleidet, hustete heftig. Sie konnte den parfümierten Duft der Opiumzigaretten, die Leutnant Parsifal Rätten rauchte, nicht vertragen. Für heute abend war das Rauchverbot in der Pension Schönblick aufgehoben. — Der schwäbische Violinvirtuose Krampski gab mit seiner Geige, der er häßliche Töne entlockte, einen italienischen Straßenmusikanten zum besten.
Der naturwissenschaftliche Oberlehrer hatte sich, weil es am billigsten war, eine Maske als Kostüm gewählt: Darwin. Er bemühte sich, einem blaukarierten fahrigen Dienstmädchen die Zuchtwahl klarzumachen.