Sylvester sprach gern mit dem Thorax, mit dem ihn die Freude des geistigen Kranken an Büchern verband.
Thorax, seinem ehemaligen Beruf nach deutscher Apotheker, schrieb in den wenigen Stunden, die er nicht Kur machen mußte, kleine literarische Betrachtungen über Schlegel, über J. Ch. Günther, über Gottfried Keller, kurz: über eine schöne, aber vergangene Literatur. Die Literatur der Gegenwart beglückte ihn wenig. Er las nur aus Höflichkeit Sylvesters Schriften, weil Sylvester sein Gast war. —
Sylvester kam grade zurecht, als die Pneumo das Gong zum Abendessen schlug.
Er wusch sich eilig, rieb sich die heiße Stirne mit Eau de Cologne und betrat den Speisesaal.
Die Löffel klapperten in der Suppe.
Die Unterhaltung war in vollem Gange. Die überlaute Frau Bautz, Operettensängerin a. D. und wie alle Artisten aus Sachsen stammend, schrie in ihrer unangenehmen Sprache über den Tisch den Leutnant Rätten an:
„Haben Sie nicht einen abgelegten Sportanzug für meine nächste Hosenrolle?“
Leutnant Rätten besprach mit dem schwäbischen Violinvirtuosen Krampski Toilettenfragen und die Mode des eleganten Herrn.
„Man bekommt keinen anständigen Anzug in Davos. Ausgeschlossen. Nicht für teures Geld. Ich brauche einen blauen Sakkoanzug, einen neuen Frack, eine englische Reithose. Haben Sie meinen Frack gesehen? 180 Franken hat er gekostet. Bei dem Davoser Tailleur Shoping Sons. In den Dreck geworfen sind die 180 Franken.“
Frau Bautz, welche nur das Wort Dreck gehört und mißverstanden hatte, schnörkelte die Lippen: