„Die Schwindsüchtigen sind alle Theatraliker“, sagte Sylvester.

Peins strohbrauner Bart knisterte.

„Dramatiker!“

„In Ihrem Sinne ...“ gab Sylvester lächelnd zu.

Peins Augen erloschen, als habe jemand das Licht in ihnen abgeknipst.

„Die Schwindsucht ist überhaupt keine Krankheit. Sie ist ein Zustand des Leibes und der Seele. Ich wollte schon längst einmal eine Psychoanalyse der Schwindsucht schreiben.“

„Tun Sie das.“ Sylvester rief der Kellnerin „Zahlen!“

III.

Sylvester bewohnte in der Pension „Schönblick“, Davos-Dorf, ein schmales Südzimmer mit Privatbalkon im ersten Stock. Die Pension stand am Wald, dicht vor dem Ausgang der Schatzalpbobbahn. Sie wurde preiswert und hygienisch geführt von dem Ehepaar Paustian, zwei alten Davosern, die vor Jahren schwerkrank ins Tal kamen und sich nach Besserung ihres Leidens dauernd in Davos niederließen. An dem Ehepaar Paustian hatte Dr. Ronken seinerzeit zuerst den Pneumothorax erprobt, als sie noch seine Patienten im Sanatorium Beaurivage waren, den Pneumothorax, jene nunmehr allgemein bekannte und bewährte Vorrichtung, durch die, bei Gesundheit der einen Lunge, die zweite kranke Lunge zum Einschrumpfen und Absterben gebracht wird.

In der Pension „Schönblick“ wurde das Ehepaar Paustian deshalb mit einem gewissen gütigen Spott Pneumo und Thorax benannt. Sie waren beide von jener Art Lungenkranker, die die Krankheit durchsichtiger, gläserner und gleichsam innerlicher gewandelt hat.