Ha, wie er mit den jungen Leuten reden und von oben herab dabei lächeln und sich ihre losen Streiche erzählen lassen konnte! Sie verfielen auf keine gefährlichen Dinge, es waren anständige Burschen, soweit er es beurteilen konnte, aber der Teufel mochte ihnen allzuviel trauen, hehe! Sie fuhren ja auch hinaus in das Sommerhaus und trieben dort allerlei Kurzweil, unter anderem malten sie in einer Nacht den Rappen grau an. Ob es nun echtes oder gut gespieltes Entsetzen war — der Hofjunge verlor am Morgen eine gute Weile den Verstand und fand ihn erst wieder, als er einen Fünfkronenschein bekam mit dem Auftrag, die Wasserfarbe von dem Pferde abzuwaschen.
Aber nun Fia, dachte sie an einen von den jungen Männern, war sie, sozusagen, verliebt in sie? Das müßte dann auf eine ruhige, ja eine gar zierliche Art sein. Sie war freundlich und kameradschaftlich gegen sie, aber immer mit etwas Vorbehalt, niemals vergaß sie, innerhalb der Schranken zu bleiben. Die Maler pflegten sie die Comtesse zu nennen. Gegen diesen Spitznamen hatte sie ihrerseits nichts, es war ein ganz passender Spitzname, sie kam sogar gut dabei weg; und verdiente sie ihn etwa nicht? Die Tochter ihres Vaters, aus einer annähernden Stadt, aus dem vornehmsten Hause, Künstlerin, eine poetische Dame, ein Talent — wie sollten andere bestehen, wenn man davon reden wollte! Alice Heiberg, auch eine Konsulstochter, aber ohne besondere Talente, nur in der Haushaltung und den täglichen Pflichten erzogen, Grütze-Olsens Töchter, die das Zeug hatten, tüchtige Mädchen zu werden, aber von törichten Eltern, die sie vornehm machen wollten, gründlich verzogen wurden! Wer war sonst noch da? Die zwei kleinen Henriksens auf der Werft waren noch zu neu, nur Kinder, und aus ihnen würde übrigens auch sicherlich nie etwas Rechtes werden.
Fia war die Comtesse, groß und gertenschlank, von feinem Wesen, vollkommen recht und richtig. In den letzten zwei Jahren hatte sie sich große Hüte und etwas lebhaftere Farben zugelegt, aber nichts Übertriebenes, nur so viel, als ihr gut stand. Wenn sie wie ein Maler angezogen auf der Straße ging, war es nicht verwunderlich, daß ein anderer Künstler, der Postmeister, an einem Schaufenster stehen blieb und sich über Fias Anblick freute.
Nein, der Konsul konnte sich nicht denken, daß seine Fia Absichten habe, in diesem Falle hätte er als Vater ernstlich mit ihr sprechen müssen. Diese jungen Leute waren nichts für sie, der eine war der Sohn eines Hardesvogts und insofern aus einer studierten, gebildeten Familie, der andere der Sohn eines Tünchers, und beide waren gleich arm. Der Konsul verachtete keine Klasse, nein, das tat Konsul Johnsen wahrhaftig nicht, aber er hatte nun eben diese einzige Tochter, sie war sein liebes Kind, und er wollte sie auf die beste Weise beschützen. Der Sohn eines Geschäftsmannes aus einem alten großen Hause würde ihm besser passen.
Deshalb war es dem Konsul gar nicht unangenehm, als die jungen Künstler eines Tages beim Mittagessen erzählten, sie hätten beide Bestellungen bekommen. „Und das haben wir Ihnen zu verdanken, Herr Konsul,” sagten sie.
„Ich gratuliere!” erwiderte der Konsul. „Was sind das für Aufträge?”
„Wir sollen die Bilder von Konsul Olsen und seiner Frau malen.”
„Vom Grütze-Olsen!” schreit Frau Johnsen. „Nein, wissen Sie was!”
Da lachen alle andern am Tisch, und der Konsul sagt freundlich: „Eine Bestellung ist eine Bestellung, das wirst du doch verstehen, Johanna!”
„Haben nicht auch Heiberg und Davidsen ihre Porträte bestellt?” fragt Frau Johnsen. „Die werden sicher noch kommen.”