Der Rechtsanwalt hätte deshalb jetzt eine hinterlistige Antwort geben und den Konsul dadurch noch zahmer machen können; aber er wagte es nicht, es war auch gar kein Grund dazu da, wenn er im guten seinen Zweck erreichen konnte. Er zitierte deshalb: „Heirate und du wirst es bereuen! Aber es ist wohl dasselbe wie mit dem Tode, wir müssen alle diesen Weg gehen.”
„Sie auch, Herr Rechtsanwalt? Ja ja, es ist nicht zu spät. Ja ja, es ist natürlich auch für Sie noch nicht zu spät. Prosit!”
Der Rechtsanwalt trank und schwieg. Zu spät? Er war jedenfalls ein gut Teil jünger als der Konsul, der immer noch ringsum eifrig auf Eroberungen aus war. Der Konsul verstand vielleicht nicht, daß er hier einem Manne gegenüber saß, der in den Landtag gewählt werden konnte, sein Ton war ein wenig zu sehr von oben herab.
„Im gegebenen Falle hab' ich nicht im Sinn, zu warten, bis es zu spät ist,” sagte Fredriksen. „Wir müssen es ja alle vermeiden, unsere Altersgrenze zu überschreiten!” — So, da hatte er es dem Konsul gegeben!
Der Rechtsanwalt ging. O meinethalb, bitte auch das! So, er würde in den Landtag kommen, ein Mitglied des großen Haufens, vom Elternrat des Landes. Nein, da war der Konsul doch lieber der, der er war! Er hatte seinen Humor und seine Arbeitslust wiedergefunden, hatte den fremden Regierungen seine Rapporte geschickt, hatte sich seine Haltung in der Matrosenaffäre zurechtgelegt, sich auch dem Doktor gegenüber ein festes Auftreten vorgenommen; er wollte sich zornig anstatt ängstlich zeigen und schaffte sich in eine Art kriegerischen Willen hinein — jawohl, es komme, was da kommen will!
War das nicht recht viel?
Und während all diesem war er der liebenswürdigste Wirt den Gästen seiner Tochter gegenüber; er unterhielt sich mit ihnen und saß ihnen Modell, versah sie mit Wein für die Waldausflüge sowie mit Süßigkeiten vom Ladengeschäft, war sehr freundlich gegen sie und schickte jedem ein gelbseidenes Halstuch, wenn sie bis zum späten Abend im Garten draußen schwärmten.
Der Konsul sah sehr wohl ein, daß seine Fia, wenn sie Gäste von dieser Art mit heimbrachte, es nur tat, um ihnen auf eine andere Art zu helfen, als nur ihre Bilder geradezu zu kaufen. Sie war keine billige Dame. Er mußte ja die Porträte von sich und seiner Frau behalten, und er durfte nicht einmal nach dem Preis fragen, sondern mußte ihnen eine Summe überreichen. Hätte er es wohl anders machen können?
Das konnte übrigens einerlei sein, der Konsul rechnete nicht so genau, er war im Gegenteil ein wenig stolz darauf. Es war ja in der Stadt bekannt geworden, was diese jungen Herren taten, ja, es war nicht nur in seiner eigenen kleinen Stadt bekannt geworden, sondern auch in der Hauptstadt. In den Zeitungen hatte gestanden, daß die beiden jungen Künstler sich zurzeit bei Konsul Johnsen, dem Matador der Küste, aufhielten, um die Porträte der Familie zu malen.
„Warum setzen Sie mich in die Zeitung?” sagte er göttlich scherzhaft zu den Künstlern. „Ich will keinen Skandal haben,” sagte er. „Und im übrigen sind Sie im geheimen hier bei mir, vergessen Sie das nicht! Kommt es heraus, daß Sie mich und meine Frau malen, muß ich bloß mehr Steuern bezahlen!”