O, aber Rechtsanwalt Fredriksen wünschte gar nicht in diesem Hause ein seltener Gast zu sein, nein, das wünschte er nicht. Hatte er sich nicht in den letzten paar Jahren mit dem jugendlichen Gedanken getragen, in diesem Hause als Familienglied aus und ein zu gehen, als einer von den eigenen! Dies war gut verborgen vor der Welt, und es würde auch nicht ans Tageslicht kommen, solange er hier noch nichts war, nur ein Rechtsanwalt in einer kleinen Küstenstadt, aber die Wahlen — die Wahlen konnten ihn vielleicht zum Sprechen bringen. Es kam darauf an.
„Fräulein Fia ist mit Gästen heimgekommen, wie ich gesehen habe.”
„Ja, das versteht sich!” erwiderte der Konsul nachsichtig. „Es sind auch Maler, Kollegen, zwei Stück. Wären wir nicht mit Lebensmitteln so gut versehen und hätten wir nicht soviel Platz im Hause, dann wäre guter Rat teuer gewesen.”
„Es sind junge Leute, können sie etwas?”
„Das weiß ich nicht. Doch sicherlich. Man spricht viel von ihnen und schreibt auch über sie. Und sie bringen ordentlich Leben ins Haus.”
„So?”
„O, sie verkünsteln sich am ganzen Hause; der eine malt meine Frau, der andere mich, wir sitzen ihnen; stocksteif sitzen wir. Das schlimmste ist, daß meine Frau in ihrem höchsten Staat ist, sie ist so eifrig dabei, daß sie jetzt vormittags und nachmittags sitzt, und so trägt sie jetzt immer ein ausgeschnittenes Seidengewand. Heiraten Sie niemals, Herr Rechtsanwalt!”
„Sagen Sie das?”
„Dann bekommen Sir Frau und Kinder, lauter Ausgaben, haha!”
Na, das war nun Großtuerei, und dem Rechtsanwalt gefiel dieser Ton nicht. Es war eine Unverschämtheit, anzudeuten, er, der Rechtsanwalt sollte von jetzt an unverheiratet bleiben. Warum denn? Nichts als Ausgaben? Der Rechtsanwalt dachte nun wohl im stillen, der Konsul zum Beispiel habe durch seine Heirat durchaus nicht verloren; Frau Johnsen hatte die solide Mitgift gehabt und hatte den Mann von Anfang an in Gang bringen können. Warum hätte er denn sonst Johanna Holm genommen? Sie war keine Schönheit und kein Licht. O nein, Herr Doppelkonsul, du wärest ohne deine Frau bis auf den heutigen Tag ein Kleinkramhändler und nie Johnsen am Landungsplatz, vergiß das nicht! Aber gerade an das erinnerte sich der Konsul sehr ungern; der Doktor hatte ihn in seiner gewohnten stichelnden Art einmal daran erinnert, und von diesem Augenblick her schrieb sich die Feindschaft zwischen den beiden. Dagegen vergaß es Frau Johnsen niemals, obgleich sie durchaus nicht immer darüber redete und ihren Mann damit quälte. In jüngeren Tagen, wo sie den Mann ein paarmal in unvorsichtigem Geschäker mit den Dienstmädchen ertappt hatte und sich von ihm scheiden lassen wollte, hatte sie das Ihrige zurückverlangt; da aber das Geschäft ihre Unterstützung nicht entbehren konnte, mußte ihr Mann lernen, vorsichtiger zu sein, einen andern Weg konnte er nicht einschlagen.