Er sei zum Doktor ins Haus gegangen, dort sitze er wohl und warte auf ihn.

Ehe der Doktor das Deck verließ, konnte er sich nicht enthalten, die folgende, grimmige Frage zu stellen: „Aber beim Satan, warum haben Sie sich denn dann untersuchen lassen?”

Aber auch darauf hatte der Mann die glaubwürdigste Antwort bereit; er sagte das Wort Quarantäne, sagte, er habe gemeint, die Untersuchung gelte nur allein dem allgemeinen Gesundheitszustand an Bord, sonst nichts.

Na, dann war er wohl kein Gauner und Spaßvogel, sondern ein anständiger Mann. Wäre nun der Doktor in ein Gelächter ausgebrochen und hätte ein paar lustige Worte gesagt, dann hätte er seinem Mißgriff den Stachel genommen; aber er tat das, was weit schlimmer war, er zeigte seinen Ärger, er knurrte und war bitter, und dadurch bekam das Vorkommnis eine Bedeutung. Der Schwede gab dann auch Antworten, das war nicht verwunderlich, er lachte auch höchst respektswidrig, und plötzlich richtete er sich in seiner Koje auf. Da ging der Doktor.

Die Geschichte sickerte in die Stadt hinaus, in die kleine Stadt, und dem Doktor wurden boshafte Erweiterungen der Geschichte, die ohnedies lächerlich genug war, nicht erspart. Alle, die ihm eine Nase gönnten, waren obenauf, und Konsul Johnsen zum Beispiel lachte zum erstenmal seit mehreren Tagen wieder recht herzlich.

„So ein Mensch, dieser Doktor,” sagt der Konsul zum Rechtsanwalt Fredriksen. „Er sollte es wahrhaftig nicht nötig haben, einen Kranken auszufragen, wie es ihm geht, das müßte er als Arzt selber sehen, oho, mit einem einzigen Blick. Er ist ein Narr. Na, und da fand er heraus, daß auch der Schwede Kindbettfieber hatte?”

„Ja, Gott weiß, ob es nicht ungefähr so war!”

„Haha, das ist köstlich. Kommen Sie mit herein, Herr Rechtsanwalt, und lassen Sie uns ein Glas auf eine gute Wahl trinken!”

Die Herren gehen hinein.

Mit einer guten Wahl meinte wohl jeder von ihnen etwas anderes, aber Konsul Johnsen war kein Fanatiker und eigentlich auch kein Politiker. Er war nur Stütze der Gesellschaft. Fanatiker und Politiker, er? Ach nein, vor mehreren Jahren hätte er mit der größten Leichtigkeit in den Landtag gewählt werden können, aber er schlug es aus, er hatte keine Zeit, und außerdem war er ja vorher Doppelkonsul und ein großer Mann. Später schlug der Wind allmählich um, in diesem Jahre würde er kaum genug Stimmen für sich bekommen, wenn er es auch gewünscht hätte, so fleißig hatte Rechtsanwalt Fredriksen in dem Kreise gewirkt. Und es war auch so gleichgültig, wer gewählt wurde, für E. A. Johnsen, den Doppelkonsul, würde es keine Veränderung bringen. Dieser Fredriksen gehörte ganz und gar nicht zu seinen Leuten, aber mag er gewählt werden, meinethalben gerne! Und in diesem Falle war es nicht so ganz unklug, wenn er ihm ein privates Glas Wein gab, so einem Emporkömmling könnte es ja einfallen, aus der Meuterei an Bord der Fia eine große Sache zu machen. Na, meinethalben auch das gerne, bitte, der Doppelkonsul blieb deshalb doch der, der er war. „Aber warum nicht — bitte noch ein Glas Wein, Herr Rechtsanwalt! Sie sind ein seltener Gast in meinem Hause.”