„Da haben wir es, noch viel großartiger soll es sein!” ruft Frau Johnsen wieder. „Und jetzt weiß ich, was Frau Olsen anhaben wird: sie wird in zwei seidenen Kleidern sitzen.”

Wieder lautes Gelächter, daß es von der Decke widerhallte. Frau Johnsen machte so selten einen Witz; das hatte wohl seine Gründe, und niemand erwartete es von ihr. Der Konsul sagte nun sofort, sie sei großartig, sie sei brillant!

Aber Frau Johnsen kann Lobsprüche nicht gut vertragen, und so verdirbt sie das Vorhergehende, indem sie fragt, was wohl Frau Olsen an den Füßen haben werde — zwei Paar Stiefel?

Darauf lachten alle wieder; aber wenn sie jetzt nur aufhören wollte, wünschten die Maler.

Bei Konsul Olsen zu sein und zu malen, erwies sich als ein schöner, guter Aufenthalt; die beiden Künstler hatten es noch nie besser gehabt mit Frühstückswein und Kuchen und Nachmittagskaffee mit Sahnewaffeln. Dazu waren die „Mädel”, die beiden jungen Töchter, überaus gesund und lustig, geradezu zum Anbeißen. Der Tünchersohn verliebte sich in alle beide, aber er richtete nichts aus, so leicht war es nun doch nicht, Eingang bei Konsul Olsen zu bekommen; wäre es wenigstens der Hardesvogtsohn gewesen! Die Mädchen waren schon recht, sie zierten sich vielleicht ein wenig und sprachen etwas feiner, als sie es gewohnt waren, aber sie waren verflixt hübsche Mädchen und junge Mädchen, nichts fehlte ihnen, es müßte denn sein, daß sie zuviel von allem hatten, sogar auch von Körpergröße, sogar von üppigem aschblondem Haar und etwas zu vollen Lippen. Ihre Mängel lagen im Übermaß; sie wackelten auch ein wenig, wenn sie gingen.

Frau Olsen mußte verleumdet worden sein, sie war eine liebenswürdige Dame, gutherzig bis zur Rührseligkeit, mütterlich, mit freundlichen Augen und einer zurückweichenden Stirne. Ihre ganze Fürsorge gehörte ihren Töchtern, sie sollten vornehm und glücklich werden. Wie sehr liebte sie diese Töchter, sie ließ sie tun, was sie wollten, ließ sie heranwachsen zu Unnützlichkeit und Ungezogenheit, als Zierpuppen und Hohlköpfe.

Nein, Frau Olsen war es sicher nicht gewesen, die verlangt hatte, gemalt zu werden, sie wehrte sich jeden Tag dagegen und wollte die Töchter statt ihrer gemalt haben, beide auf einem Bilde, ein Doppelporträt. Konsul Olsen mußte seine Frau jedesmal überreden, ruhig zu sitzen. — „Hörst du, Henriette, nachdem nun einmal angefangen ist. Das Doppelporträt kommt später dran!”

So saß denn das Opferlamm in Seide, mit vielen Ringen und der Uhrkette geschmückt, und war dem Manne willfährig.

Bei ihm selbst ging's mit mehr Prunk und Gepränge; er war vom Kleinstadtreichtum wohlbeleibt geworden, ein Emporkömmling, ein glücklicher Spekulant. Es machte ihm Spaß, Gassenhauer zu singen und Fratzen zu schneiden und dann plötzlich wieder eine gute Weile ganz würdig und schweigsam dazusitzen und nur zu nicken oder den Kopf zu schütteln. Er gab sich das Aussehen, als hätte er große Geschäftsangelegenheiten zu überdenken. „Still,” sagte Frau Olsen, „laßt den Vater nun in Ruhe, Mädchen!”

Und der Vater war lieb und gutmütig und sehr eitel, er sah es gerne, daß es still um ihn her war, wenn er an große Geschäfte dachte.