Aber diese lauten Stimmen in dem sonst so stillen Zimmer erregen Aufmerksamkeit im Hause, sie rufen die Hausfrau herbei und zwingen Scheldrup, sich stumm zu verbeugen und mit seinem Begleiter fortzugehen.

Eine Entschuldigung war also das ganze Ergebnis einer Reise von Havre her, ein paar leere Worte! Am Abend dachte Scheldrup an einen neuen Besuch beim Doktor, und er sprach auch mit Berntsen darüber, bekam aber den Rat, beizeiten aufzuhören, der Doktor habe genug bekommen, habe übergenug bekommen. O Konsul Johnsens ausgezeichneter Geschäftsführer, er gab gute Ratschläge, er wußte, was er tat, und dachte an mehr, als nur an eine Seite einer Sache; es ist auch gar nicht unmöglich, daß er dort im Sprechzimmer recht gut verstand, worauf der Doktor jedesmal anspielte. Was war übrigens da zu verstehen? Nichts, Klatschereien. Scheldrup solle seiner selbst und seiner ganzen Familie wegen darüber schweigen.

„Nein, lassen Sie es nun gut sein, Sie haben ihm schon einen tödlichen Schrecken eingejagt, mehr kann er nicht ertragen,” sagte Berntsen.

Scheldrup beruhigte sich. Sein Zorn hatte sich gelegt, er wollte sich mit der Entschuldigung begnügen. Es war auch so eine Sache mit einer Backpfeife, er hatte selbst vor vielen Jahren eine bekommen, die ihm nicht zur Ehre gereichte, jene schändliche Backpfeife von Petra, er konnte nicht für ewige Zeiten Backpfeifen auf sich sitzen lassen.

Am nächsten Morgen in aller Frühe begab sich Scheldrup wieder an Bord und reiste zurück nach Havre.

Und da geriet der Doktor wieder in eine nette Klemme.

Da war er ja hinunter zum Postschiff gegangen, und zwar am frühen Morgen wie so viele andere, er hatte viel ausgestanden und wollte sich ein wenig erfrischen — aber das wurde eine verflixte Erfrischung! Hätte er sich denken können, daß Scheldrup so bald wieder abreisen würde, er, der sonst wochenlange Ferien daheim zubrachte! Da kam er gerade auf das Bollwerk zu in Begleitung von Vater, Mutter und Schwester und von zwei fremden Malern. Sollte der Doktor grüßen? Zuerst grüßen? Gewiß, es waren ja Damen dabei. Er stand peinlich weit zurück, aber grüßte also, und als er das getan hatte, ging er noch weiter abseits.

Aber plötzlich schien der Zorn in Scheldrup wieder aufzukochen, und er ging dem Doktor nach. Er hielt des Doktors Gegenwart hier für Trotz, für Frechheit. Und was nun? Er geht dem Doktor weiter nach und wie um ihm direkt unter die Augen zu treten, aber ohne ihn selbst anzusehen, o, nicht mit einem Blick! Will er ihn umrennen, ihn ins Wasser hineintreiben? Jetzt sind nur noch vier Schritt frei zwischen ihnen.

Doch da taucht plötzlich der merkwürdige Geschäftsführer Berntsen mitten zwischen den beiden Herren auf, und sagt zu Scheldrup: „Sehen Sie, das haben Sie wohl vergessen!” Damit zieht er Scheldrup ein paar Schritte mit sich fort und übergibt ihm etwas, Gott mag wissen, was es ist, vielleicht ein Plunder. Aber von da an ist Berntsen am Bollwerk sehr in Anspruch genommen, er ist überall und doch immer an Scheldrups Seite. „Ich sehe mich hier nach einem Teil Waren um,” sagt er, „wir erwarten gewisse Waren.” Ja, sogar als Scheldrup über den Landungssteg an Bord geht, folgt ihm Berntsen, um sich auf dem Schiff nach den Waren zu erkundigen.

Scheldrup steht an der Reling und spricht gedämpft mit seiner Familie auf dem Bollwerk. Und diese Familie steht nun da, über die Maßen verwundert, sowohl über sein Kommen als auch über die rasche Abreise. Der Vater war mit keinem Wort in ihn gedrungen, und für Mutter und Schwester hatte er nur die eine Antwort gehabt: „Geschäfte!” Aber alle waren im unklaren.