Oliver fing an zu philosophieren; sein Matrosengeschwätz war leer und abgedroschen, weder besser noch schlimmer, als das anderer Matrosen: Wahrheit und großsprecherische Drohungen, Prahlerei, Frömmigkeit und Notlügen. Er verbreitete sich über die Versuchungen, mischte englische Wörter hinein, warnte vor der Trunksucht: „Du siehst nun, Adolf, wie ich heimgekommen bin. Aber meinst du, es komme vom Zechen und von Ausschweifungen? O nein, immer so nüchtern, wie du jetzt bist! Ach, du lieber Gott, es war auf dem wilden Meere draußen, und was hatte ich verbrochen? Deshalb darfst du dich nie dem Trunke ergeben, wie so mancher andere, dann kann unser Herrgott mit dir tun, was er will, du kannst es nicht ändern. Und wenn sie sehen, daß du Geld bei dir hast, und ziehst englische Pfund heraus, dann sind sie hinter dir her, wie die Möwe hinter einem Rotauge, deshalb mußt du dir, ehe du abfährst, eine Tasche innen in deine Weste nähen lassen.”
„Hast du eine gehabt?” fragte die Mutter.
„Ob ich eine gehabt habe?” Oliver knöpft auf und hat keine Innentasche an seiner Weste. „Sie muß in meinem andern Anzug sein, in meinem Landurlaubsanzug,” sagt er.
„Landurlaubsanzug?” fragt die Mutter.
Oliver überhört die Frage und fährt fort:
„Wie es nun auch ist, Adolf soll sich eine Lehre aus dem Richtigen ziehen und nicht aus dem Unrichtigen. Ja, nun sollst du an das denken, was ich dir gesagt habe, Adolf, und Gott vor Augen haben, wenn du bei Nacht auf Wache bist und am Steuer stehst! Und dann lernst du englisch sprechen und du kannst dich in dieser Sprache, wo du auch hinkommst, ja überall auf der Welt verständlich machen. Sie verstehen dich, ob du dich in einen Salon begibst und ein Glas Bier trinkst oder in die Kirche oder auf ein Konsulat gehst. Aber nimm jetzt nur meine Kiste und schlage dich damit redlich durchs Leben, sie ist an nichts anderes gewöhnt.”
„Was ist denn das für ein Landurlaubsanzug?” fragt die Mutter wieder. „Hast du noch einen andern Anzug als den hier, den du auf dem Leibe trägst?”
„Ob ich noch einen andern Anzug hab'!” versetzt Oliver. „Er kommt von Italien. Was red'st du denn da?”
Aber die Mutter war in Gegenwart eines Dritten mutiger und lächelte nur ein wenig spöttisch. Ach, die Krippe war ganz leer geworden!
Jetzt hatte Oliver nichts mehr zu verkaufen, die Schiffskiste war das letzte gewesen, und es blieb nichts übrig für einen neuen Anzug und einen Strohhut. Aber der eine Tag verging wie der andere, und eines Tages schien Oliver etwas aufzuwachen; er ließ eine Bemerkung fallen, daß er das Boot verkaufen wolle.