Die Mutter konnte ihm dies und jenes aus dem Ort berichten, sie hörte mehr als er, sie schnappte manches auf der Straße und am Brunnen auf: Klatschereien, Ereignisse, Lüge und Wahrheit, alles nahm sie mit und brachte es heim. Bisweilen lag es nur in ihrem Kopf und verschwand wieder, aber bisweilen brachte so ein zufälliges Wissen Nutzen. Zum Beispiel, als sie Oliver von Adolf, dem Sohn des Schmieds Carlsen erzählte; Adolf war ein junger Bursche, der sich hatte anheuern lassen und nun zur See ging.

„Wo hat er sich verheuert?” fragte Oliver.

„Auf Heibergs Barke. Es hieß, er wolle sich eine Schiffskiste machen lassen.”

Nach einer kleinen Weile nickt Oliver und sagt: „Er kann mir meine Kiste abkaufen.”

„Die auch?” seufzt die Mutter.

„Was soll ich mit ihr? Ich hab' sie einmal ums andere hinaus- und wieder heimgefahren. Jetzt steht sie da. Nun, sag' du nur dem Adolf, er soll meine Kiste kaufen, ich kann sie nicht mehr sehen.”

Er war auch ganz überzeugt, daß Adolf gern seine Kiste haben wollte. Diese hatte viele Reisen mitgemacht und war seetüchtig, also eine gebrauchte Schiffskiste, die Glück hatte. Oliver hatte sich ja jedesmal, wenn er wieder abreiste, geradezu nach seiner Kiste gesehnt. Lebendig war sie allerdings nicht, nein, aber sie war ein Kamerad, und ein treuer, o ein zärtlicher Freund! Aber Glück auf die Reise, nun mochte sie gehen! Auf der letzten Reise von Italien nach Hause war sie ihm eine richtige Last gewesen; er war ein Krüppel geworden und konnte sie nicht mehr so handhaben wie zuvor, und sie hatte Übergewicht auf der Eisenbahn, er hatte für sie bezahlen müssen. Es war fast, als stehe sie bei ihm in Dienst und zehre an ihm, das Ungetüm — fort mit ihm!

O, aber so ganz gleichgültig war Oliver nun doch nicht, als die Mutter mit Adolf ankam. Da stand nun seine Schiffskiste, und sie war eigentlich häßlich und schwerfällig, aber eben doch nützlich. Sie hatte Fußtritte und Stöße hingenommen, war seit mehreren Jahren grün angestrichen, ja, man hatte sogar Tabak auf dem Deckel klein geschnitten, aber was für ein gutes Stück war sie trotzdem!

„Sie ist, wie du sie hier siehst,” sagte Oliver zu Adolf. „Sie hat sich weder aus feinen Kapitänen oder Maklern oder aus Konsuln etwas gemacht, sondern stand da, wie sie immer gestanden hatte, ist nie von der Stelle gewichen, außer mit Gewalt.”

Adolf kaufte die Kiste und mußte noch allerlei gute Lehren von Oliver anhören. Der abgedankte Matrose konnte dem jungen von dem Leben erzählen, das seiner nun wartete: O ja, ein freies, gesundes Leben, aber nicht eines, mit dem man in jeder Beziehung prahlen konnte. Gottlosigkeit und Schlechtigkeit und erfahrungsreicher Landurlaub, in ausländischen Städten und Hainen verbracht. Ach was, er selbst habe Glück gehabt und jederzeit in den Städten nette Liebchen gefunden, prahlte Oliver, aber es sei nicht immer ohne Streit und Schlägereien abgelaufen. Aber es handle sich nur darum: dem andern eine Hand in den Nacken, die andere in den Rücken, ein Loch mit ihm ins Fenster geschlagen, eins, zwei, drei, hinaus in den Rinnstein! O, man habe nicht immer als Krüppel auf einem Stuhl sitzen müssen!