Jawohl, Mattis war sichtlich erleichtert, mit Oliver konnte man sehr gut verkehren. Könnte man umgänglicher sein als dieser Mann? Den halben Unterkörper verloren, alles verloren, aber trotzdem — Napoleon! Wenn man ihn in einen Wagen setzte, mit dem Spritzleder vor, dann war er ohne Fehl. —
Oliver und seine Mutter lebten nun wieder eine Zeitlang gut, dazwischen ging er fischen, so daß sie genügend Fische für sich und für die Katze hatten; von dem Geld für den Ring wurden Mehl und Lampenöl gekauft. Aber jetzt hatte Oliver nichts mehr zum Verkaufen, er konnte doch nicht den Kamin auf dem Dache verkaufen.
Die Mutter wurde ängstlicher, so konnte es nicht weitergehen! Sie ließ Andeutungen fallen, daß etwas getan werden müsse, später wagte sie es, sich etwas unzufrieden zu zeigen. Die Krippe war leer. „Du könntest wohl etwas stricken. Kannst du nicht stricken?” fragte sie. Aber Oliver konnte nichts, hatte nichts gelernt, sich keine Mühe gegeben, etwas zu lernen; als er etwas lernen sollte, war er auf See gegangen.
„Ich sollte so notwendig einen Quirl haben,” sagte die Mutter. „Du könntest mir einen Quirl machen, wenn du ein wenig Handgeschick hättest.”
Oliver mußte das von seiten seiner Mutter als unzeitgemäßen Spaß auffassen, und er erwiderte: „Soll ich vielleicht auch Fausthandschuhe stricken?”
Er überlegte, überlegte alle Gründe für und wider, jawohl, etwas mußte getan werden. Immerfort wurde überlegt.
Auf das Wohnhaus konnte nicht mehr aufgenommen werden, als schon darauf stand; das war schon seit lange dem Rechtsanwalt Fredriksen verpfändet. Auf den Anbau war allerdings nichts aufgenommen, und Oliver hatte sich gleich nach seiner Heimkehr wegen einer Anleihe an Fredriksen gewendet, war aber abgewiesen worden. Der Anbau? Den hielt Fredriksen nur für eine ordentliche Instandhaltung des Hauses. „Und das neue Ziegeldach?” fragte Oliver — „Instandhaltung,” sagte Fredriksen. Als Oliver andeutete, er könne anderweitig auf den Anbau Geld aufnehmen, drohte ihm der Rechtsanwalt mit Kündigung seines Geldes und mit einer sofortigen Versteigerung des Hauses. Sie redeten hin und her, und der Rechtsanwalt fragte verwundert: „Bist du wirklich so abgebrannt?” — „Ich?” sagte Oliver und warf sich in die Brust. Ja, das hatte der Rechtsanwalt wirklich geglaubt. Und da er nun durch den Anbau und das neue Ziegeldach erst eine ordentliche Sicherheit für sein Geld hatte, sollte Oliver eine Erklärung unterschreiben, daß alles neue am Haus mit zum Pfandobjekt gehöre — ob er das als anständiger Mensch tun wolle? Und Oliver, eben erst heimgekehrt, von den Seehäfen her an ein flottes Auftreten gewöhnt, außerdem von Natur gutmütig, Oliver unterschrieb. — Er trennte sich von dem Rechtsanwalt in höchst freundschaftlicher Weise.
Das war damals gewesen.
Gar oft bereute er nachher seine Dummheit, aber da war nun nichts mehr daran zu ändern. Oder wie? Könnte er das Haus ohne weiteres verkaufen, den Rechtsanwalt ausbezahlen und ihn los sein? Würde das Geld dazu reichen? Ach, das einzig Sichere dabei wäre jedenfalls, daß er selbst obdachlos dastünde!
Oliver überlegt hin und her. Bisweilen überlegte er, ob er nicht fromm werden, sich einen kleinen Rollwagen anschaffen und in den Dörfern herumfahren sollte.