„Ja. Hast du das bis jetzt noch nicht gewußt?”
„Aber er ist ein flotter Kerl. Und was er für hübsche Locken hat.”
„Na, dir gefällt er also doch?”
„Mir? Meine Mutter sagt, er habe sich herausgemacht. Und dann hat er doch auch eine Menge gelernt.”
„Hahaha!” sagt Abel. „Blech!” sagt er. „Der soll viel gelernt haben? Ich weiß hundertmal mehr als er, wenn du es wissen willst. Ich weiß nicht gerade dasselbe wie er, nicht das, was in den Büchern steht, aber von andern Dingen weiß ich hundertmal mehr als er.”
„Ja, von andern Dingen!” höhnte sie.
„Ja, wohlgemerkt, hundertmal mehr! Und du wirst schon sehen, daß er niemals Pfarrer wird. Das ist mit ihm genau so wie mit Frank, der wird auch niemals Pfarrer. So ein Küstersohn! Und wenn du dich auf einen verlassen willst, der nach so viel mehr aussieht, als wirklich hinter ihm ist, dann bist du recht dumm, das sag' ich dir.”
„Ich? Ich mach' mir nicht das geringste aus ihm.”
Das veränderte die Sache, und Abel fühlte sich wohl mit einem Male recht erleichtert, er hätte sie küssen können, wahrhaftig, sie auf den Mund küssen, da saß sie. Aber ein Mädchen mit Küssen zu überrumpeln, ist schwierig, das verlangt technische Fertigkeit, man muß treffen. Statt dessen nahm er den Schleifstein, der an der Wand stand, hob ihn aus Mutwillen oder aus unmenschlicher Kraft aus seinem Ständer und legte ihn ihr in die Arme.
Na ja, man redet ja oft vom Verstummen, aber eine so ohrenbetäubende Stummheit hatte er noch nie gehört. Dann schreit sie, Klein-Lydia schreit, brüllt, ihre Empörung macht sie ganz fremd und häßlich. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als ihr den Schleifstein wieder abzunehmen und ihn an seinen Platz zu tun.