„Du Schwein!” zischte sie. „Wie kannst du dir herausnehmen —”
„Hehehe!” lachte er verlegen und unglücklich. „Hast du je gesehen, daß ich so etwas getan habe?” Übrigens war es merkwürdig, wieviel Klein-Lydia zuweilen ertragen konnte, ohne wild zu werden. Er selbst war nicht so. Das hatte er vielleicht von seiner Mutter.
„Da sieh her, wie du meine Näharbeit eingeschmutzt hast!” sagt sie. „Ein frischgewaschenes Kleid!”
„Ich nehm's an den Brunnen,” bot er an.
„Dummkopf!”
Dann wollte er sie wieder beruhigen, deutete von weitem auf seine Gefühle für sie hin, sagte, daß er sie liebe, er könne ihr zuliebe an alle Brunnen der Stadt gehen, sie solle ihm seinen Narrenstreich mit dem Schleifstein verzeihen —
Sie stand auf und schüttelte ihren Rock zurecht, schlug sich den Sand ab und ließ sich wieder auf die Treppenstufe niederfallen, daß diese krachte, und schwieg.
„Und im übrigen hab' ich es gar nicht tun wollen,” sagte er. „Und es ist nichts, um es sich zu Herzen zu nehmen.”
„So!” erwidert sie und schaut ihn wütend an; sie spießte ihn beinahe auf mit ihren Blicken.
„Ich möchte nur wissen, wo sich dein Bruder Eduard herumtreibt?” sagte er.