„Das ist entschieden ein Fehler von Ihnen,” sagte der Doktor und fuhr dann fort: „Wissenschaftliche Wahrheiten sind entweder selbstverständlich oder logisch zu beweisen, oder beides. Nun, die Metaphysik ist keines von beiden.”
„Aber, Herr Doktor, ich sage weder, noch meine ich, die Metaphysik sei eine Wissenschaft, sie ist vielmehr gerade das Gegenteil.”
„Dann ist es leeres Geschwätz, Herr Postmeister, und nichts anderes. Wenn wir die Wissenschaft nicht hätten, was hätten wir denn dann? Moses und die Propheten — laßt sie diese hören!”
„Die Metaphysik setzt da ein, wo die Wissenschaft aufhört; jawohl, das tut sie.”
„Die Wissenschaft hört niemals auf. Sie tastet, sie reicht nicht immer völlig zu, aber sie strebt und strebt vorwärts und geht immer weiter.”
„Gewiß, so sagt man ja,” erwidert der Postmeister. „Ich habe mich auch unrichtig ausgedrückt, ich wollte sagen, die Metaphysik setze da ein, wo die Wissenschaft nicht völlig zureicht, an den wenigen Punkten, Kleinigkeiten, Einzelheiten, wo die Wissenschaft nicht bis auf die oberste Spitze gedrungen ist. Es handelt sich nur um Haaresbreite. So wollen wir sagen.”
„So, Sie wollen spotten! Sie glauben ja, um das Rätsel des Lebens zu erklären, an ein ganzes System von Erdenleben. Daher nehmen Sie das Licht auf Ihrem Wege.”
„Was soll man glauben!” erwiderte der Postmeister. „Zuweilen ist ein kleines Licht darin, das sind Sterne in der Nacht. Es ist kein starkes Licht, ist nicht Sonne und heller Tag, aber es sind doch Sterne in der Nacht. Man kann doch etwas dabei erkennen.”
„Wär' es nicht besser, das Licht der Wissenschaft zu haben, so weit es eben reicht?”
„Das hab' ich auch. Wo dieses aufhört, muß ich mich ohne es behelfen. Dann steht die Wissenschaft weit hinter mir — das heißt um Haaresbreite — und schaut mir nach, wo ich gehe.”