„So. Aber kannst du mir sagen, warum Jörgen draußen war?”

„War Jörgen draußen? O, für Jörgen ist das nicht schwer, er hat ein neues, gutes Boot,” seufzte Oliver.

Schweigen. Aber die Mutter war jetzt sehr aufgeregt und verbarg das nicht.

„Du verkaufst die Türen vom Haus weg,” sagte sie; „es ist schon viel, daß du nicht auch die Wände verkaufst! Ich wär' froh, wenn ich unter der Erde läge!”

„Ja und ich erst!”

„Du!” höhnte sie. „Nein, du liegst im Hause. Ich bin ganz gewiß, wenn ich von der Kasse etwas bekäme, dann müßte ich dich auch noch ernähren.”

Da brach Oliver über die unvernünftige Rede seiner Mutter in ein lautes Gelächter aus. „Nein, jetzt schweig nur! Hahaha, beim wahrhaftigen Gott. Das übrige kannst du jetzt zu dir selber sagen!”

Nach einiger Zeit waren wieder keine Fische zu den Kartoffeln und kein Holz für den Herd da. Man hatte nur ab und zu einen Tag hinausrudern können; aber Oliver verpaßte die Gelegenheit, und am nächsten Tag war die Bucht schon wieder voller Gischt, ja, der Sturm nahm eher zu, als daß er nachließ. Was sollte nun das bedeuten? Der Himmel war ohne Gnade, noch nie war der Donner so furchtbar über die Stadt hingerollt.

Oliver warf sich in der Stube von einem Stuhl auf den andern, döste dann stundenlang vor sich hin, schlief am Tisch, das Gesicht auf den Armen. Ab und zu griff er mit seinem Stelzfuß nach der Katze aus. Eines Tages kletterte er aufs Dach hinauf. Oliver war ein alter Matrose, er wollte wieder in die Höhe hinauf, er machte sich am Blitzableiter zu schaffen, legte ein paar Ziegel zurecht und stieg wieder hinunter.

Er war jetzt in tiefer Not, regelmäßige Mahlzeiten gab es nicht mehr. Eines Morgens ging die Mutter fort und kam den ganzen Tag nicht wieder; als sie auch am nächsten nicht wieder kam, ging Oliver zu einem kundigen Mann und sagte: „Du mußt mir einen Gefallen tun und nach meinem Blitzableiter sehen, ich fürchte, ich hab' ihn verdorben, als ich die Dachziegel richtig legte.” — „Meinst du, es eile?” fragte der Mann. — „Ja, du müßtest schon so gut sein und gleich mitkommen,” versetzte Oliver. „Es gewittert ja in einem fort, und ich hab' Angst, der Blitz könnte einschlagen.”