Aber was ist mit Berntsen? O ja, Berntsen schließt seinen Kramladen wie sonst auch und geht mit seinem gewöhnlichen Schritt an dem einen Haufen Leute, die vor den Häusern stehen, nach dem andern vorbei und sieht auch nicht eine Spur niedergedrückt aus. So soll auch der Mann auftreten, der Geschäftsführer bei einem bankerotten Chef ist, er soll das beste seines Herrn im Auge haben und aussehen, als ob er ein gutes Geschäft in Aussicht hätte. Daneben kann er dann auch menschlich an sich selbst denken.
Der Geschäftsführer Berntsen geht an diesem Abend nicht geradeswegs heim in sein Mansardenzimmer, o, weit entfernt, er geht ohne weiteres nach dem großen Hause von C. A. Johnsen und bittet Fräulein Fia um eine Unterredung. Er wußte wohl, daß der Konsul nicht da war, der Konsul ging lieber anderswo hin, als nach Hause, wenn ihn etwas bedrückte. Aus der Stube drangen fremde Stimmen, Alice Heiberg war da, Konstanze von der Werft war da, auch Fräulein Olsen und sogar die Tochter des Postmeisters, die im Modegeschäft angestellt war, sie alle waren wohl gekommen, damit Fräulein Fia mit ihrem Kummer nicht ganz allein sein sollte.
Nun, Fräulein Fia, die Komtesse, konnte eins ausgezeichnet gut zeigen: wenn sie Kummer hatte, so hatte sie auch die Bildung, ihn zu tragen; im Augenblick erzählt sie den Damen ein indisches Märchen, das sie gelesen habe und das sie nun illustrieren wolle.
Sie ließ den Geschäftsführer Berntsen in das kleine Zimmer im Erdgeschoß, das Kabinett genannt, führen und setzte sich zu ihm, um sein Anliegen anzuhören. Seht, Berntsen hatte ja in den letzten Tagen mehr als genug mit dem Konsul selbst geredet, und zu Frau Johnsen, die sich in den Zeiten des Glücks nie um Berntsen gekümmert hatte, wollte er nicht gehen. Da blieb niemand anders übrig als Fräulein Fia. Ja, so war es wohl, was hätte es sonst sein können? Nun saß er da vor ihr und stellte ihr gewiß nur die ganze Lage dar, die schwere Klemme, in der sich das Geschäft befand, den Ruin; was hätte er ihr sonst vortragen sollen? Übrigens dauerte es nicht lange, nicht viele Minuten, und als Berntsen das Haus verließ und Fräulein Fia wieder zu den andern ins Zimmer trat, war ihr Gesicht ebenso ruhig und unbewegt wie sonst. Die jungen Damen sahen sie betrübt an. Berntsen war ohne Zweifel mit einer neuen Unglücksbotschaft gekommen, mit was denn sonst? Aber Fia bewies Seelenstärke.
Ja, jetzt bewies Fia in hohem Grade Seelenstärke. Es ärgerte sie wohl, daß alle diese jungen Mädchen, die so weit unter ihr standen, sich ein so aufdringliches Mitleid ihr gegenüber erlaubten, sie lächelte über sie, ja, das tat sie.
Als die jungen Mädchen das sahen, lächelten sie auch und freuten sich. „Gute Nachrichten?” fragten sie.
„Ja, was denkt ihr wohl? Er hat mir einen Antrag gemacht.”
Eine stumme Minute.
„Wer? Berntsen?”
Fia nickte überlegen lächelnd. „Ja, meines Vaters Ladendiener,” sagt sie.