In der darauffolgenden Minute konnte sich keines der Anwesenden fassen. Alice Heiberg wollte gern fein sein, obgleich sie nicht reich war, und so sagte sie: „Die Diener werden frech in diesen Zeiten.”
Und Fia erwiderte darauf: „Ja, man muß sich viel bieten lassen.”
Aber so vielem Komtessewesen gegenüber konnte sich Fräulein Olsen nicht enthalten, recht nachdenklich zu werden; auch in der Seelenstärke muß man Maß halten. Da saß nun Fia Johnsen, ihr Vater hatte sein Landhaus verkaufen müssen, es ging ihm schlecht, es war vielleicht von dem Ladendiener gar nicht so unglaublich gehandelt, wenn er in diesem Augenblick mit Herz und Hand einspringen wollte.
„Was hast du geantwortet?” fragte Fräulein Olsen.
Aber Fia sah sie nur mit hoch hinaufgezogenen Augenbrauen an und schwieg.
„Ich weiß nicht, ob es so ganz unverschämt war, Fia. Berntsen ist nicht so sehr viel älter als du, er bekommt wohl einmal sein eigenes Geschäft und hat auch gar kein so häßliches Äußere.”
Fräulein Olsen stellte es verlockend hin, es war, wie wenn sie nichts dagegen hätte, wenn Fia Johnsen eine weniger glänzende Partie machte. Aber Fia konnte sie nur wieder ansehen, diese Grütze-Olsens, ja, sie waren wirklich etwas für sich. Und gewiß, Fräulein Olsen war nicht überfein und gewählt und gertenschlank, nein, sie konnte nicht Bilder kopieren und war gewiß auch nicht ganz fest im Rechtschreiben, auch hatte sie keine indischen Märchen gelesen; aber Fräulein Olsen hatte ihre gesunden fünf Sinne, sie dachte wahrscheinlich, jetzt wäre es wohl auch Zeit, daß Fia Johnsen sich verheiratete. Sie sagte: „Dir steckt vielleicht ein anderer im Kopf, Fia; denn sonst sähe ich nicht ein, warum der arme Berntsen zu weit gegangen sein soll.”
Da hatte sie es, und gerade ins Gesicht!
„Aber hör' einmal!” sagt Alice Heiberg zurechtweisend.
„Ich müßte wahrhaftig sehr in Not sein,” sagte Fia.