„Nun, dann sag' ich noch einmal: du mußt einen andern im Hintergrund haben.”
Jetzt antwortete die Komtesse wahrhaftig ein bißchen ärgerlicher, als sie zu sein pflegte: „Ich habe zehn andere, wenn ich will.”
Eine stumme Minute. Die vier jungen Damen dachten wahrscheinlich, das sei ein kühner Ausspruch, und Fräulein Olsen sagte: „Ja, wenn es so ist, dann —”
„Jawohl, es ist so,” versetzte Fia und nickte dazu. „Wenn ich aber auch nicht einen einzigen anderen hätte, würde ich Berntsen doch nicht nehmen. Wenn ich keinen einzigen andern hätte, würde ich doch keinen von hier aus der Stadt nehmen.”
„So?” sagte Fräulein Olsen, und sie kniff ihre etwas üppigen Lippen fest zusammen. Seht, sie hatte einen Sperling in der Hand, und der war aus der Stadt hier, aber er konnte bei Gelegenheit gut genug sein, oho, es war nicht ausgeschlossen, daß die Stadt einmal für ihn flaggen würde. Aber Fräulein Olsen hatte wohl in diesem Augenblick ein eifersüchtiges Gefühl, als ob ihr Vogel zuerst um Fia Johnsen gekreist habe, ehe er zu ihr geflogen war — ach, was mußte sie nicht alles ertragen!
„Ich bin doch wirklich ein wenig in der Welt draußen gewesen und habe da verschiedenes gesehen und gehört,” sagt Fia. „Meine Kunst ist's hauptsächlich, für die ich mich interessiere, und Künstler sind mein Umgang, nicht die Herren hier von der Stadt.”
Na, das war nun etwas zu stark für Alice Heiberg, sie hatte selbst einen hier in der Stadt, Reinert, den Sohn des Küsters; der war freilich noch sehr jung, aber was hatte er für schöne Locken und was für ein flottes Auftreten! Was für ein Kurmacher! Sie hatte sich wahrlich während der letzten Ferien in den frischen Studenten tüchtig verschossen.
Fia wiegte nachdenklich den Kopf hin und her und murmelte: „Himmel, die Künstler würden mich schön auslachen!”
Darauf versetzte Fräulein Olsen: „Meinst du, wenn du Berntsen nähmest? Mein Schwager würde dich jedenfalls deshalb nicht auslachen.”
„So?” fragte Fia neugierig; jetzt wurde sie lebhaft. Fräulein Olsens Schwager war nicht der erste beste, sondern ein Künstler, dessen Name immer bekannter wurde, er war ein aufgehender Stern. Sie fragte, was er denn gesagt haben könne? Was er gemeint habe, ob sie etwa nicht gut male?