„Die Pfeife ist schon recht.”
„Ja, du mußt sie gebrauchen, denn dir gehört sie.”
Lydia wollte ihm Kaffee geben, aber er hatte selbst Geld in der Tasche und konnte es sich leisten, das Anerbieten auszuschlagen. „Ich hab' getrunken, eh' ich daheim wegging. Ja, was meinst du, Jörgen, willst du mir den Gefallen tun?”
Jörgen blieb keine andere Wahl. Er antwortete: „Ich werd' es wohl tun müssen. Aber du mußt ordentlich mit dem Boot umgehen.”
Dann fuhr Oliver auf eine Langfahrt hinaus.
An das, was nun geschah, erinnern sich die alten Leute im Städtchen noch heutigen Tages, es war keine Kleinigkeit. Oliver ging nicht unter, und er kam auch nicht abermals zu Schaden, nein, er kam mit einem Schiff heim, mit einem Havaristen, und verlangte seinen Bergelohn. Allerdings konnte er den Verdienst nicht allein einheimsen; als er das Schiff draußen vor den Scheren auf dem Wasser treibend fand, ausgestorben und ohne Mannschaft, mußte er ans nächste Ufer rudern, um Hilfe zu holen; aber Oliver war der Entdecker, und er war der kundige Seemann, der das Bergen des Schiffes in die Hand nehmen konnte. Er setzte die Pumpen in Gang, er barg die Segelfetzen und herabhängenden Leinen, dann erteilte er den Männern die Befehle beim Bugsieren, und er selbst stellte sich ans Steuer. Jetzt konnte niemand sehen, daß er ein Krüppel war.
Wenn er nun eine Kaffeeladung an Land geführt hätte! So gut war es allerdings nicht, das Schiff hatte Backsteine an Bord, es führte sozusagen Backsteine als Ballast mit sich, ein dänisches Schiff war's, das vielleicht nur nach der nächsten Landstadt mit diesen Backsteinen sollte und dann von einem übermächtigen Sturm ins offene Meer getrieben worden war. Der alte Kasten war nicht viel wert; aber es war doch immerhin etwas, ein Fund und ein Geschenk, ramponiert, jawohl, ohne Rettungsboote, ohne Ansehen, ein stinkender alter Kasten, aber durchaus kein Wrack. Das Schiff mußte während des ganzen langen Sturmes im Wasser gelegen haben, es schien wegen Mangel an Proviant von der Mannschaft verlassen worden zu sein, denn es fand sich fast nichts Eßbares an Bord.
Da konnte man nun den seltenen Anblick genießen, und der ganze Ort starrte neugierig auf die spiegelblanke Bucht hinaus. Was war das? Eine Art Aufzug: Bugsierboot und Schiff, dahinter ein Boot im Schlepptau. Die Leute schlenderten allmählich zum Bollwerk hinunter, Jörgen kam herbei und erkannte sein Boot, das Schiff selbst war ihm unbekannt, aber Oliver stand darauf.
Ja, Oliver stand fest und steif an Bord und übertrieb nicht mit besonders starken Ausdrücken; aber er erteilte den beiden Fischern, die er sich zur Hilfe bei der Bergung geholt hatte, Befehle, dann schickte er einen Mann an Land nach dem Konsul. Jörgen rief Oliver eine sanftmütige Frage zu, was das für ein Schiff sei, aber er bekam keine Antwort, denn Oliver hatte viel zu viel zu tun. Olaus vom Wiesenrain, der sich immer am Bollwerk herumtrieb und ein ungewaschenes Maul hatte, sagte ganz laut: „Er hat die Schute gestohlen!”
Oliver war aufgebracht, weil der Konsul nicht selbst kam, sondern nur sein Sohn, der junge Scheldrup. „Wo ist dein Vater?” fragte Oliver.