Jähzornig war Lydia, aber ihr Zorn war immer schnell wieder verraucht; während die Kinder sich ein wenig unterhielten, räumte sie im Zimmer auf und fing gleich an, ein Liedchen vor sich hinzusummen. Dann öffnete sie die Kammertür äußerst vorsichtig und fragte:

„So, du hast nicht geschlafen? Was ich hab' sagen wollen, du hast doch wohl genügend Fische gefangen? Hast du gehört, was für eine Gesellschaft es sein wird?”

„Nein, sie waren noch nicht auf.”

„Ja, jetzt schweig nur und schlaf' dich aus,” sagt Lydia und macht die Tür wieder zu. Und dann schalt sie die Kinder mit lauter Stimme ordentlich aus, damit sie sich ruhig verhalten sollten.

Sie räumt auf und trällert dazu, sie überlegt, die Gesellschaft ist ihr sehr wichtig. In früheren Jahren, da wurden bei Johnsens am Landungsplatz auch schon Gesellschaften gegeben; man bereitete sich tagelang darauf vor und mußte Hilfe in der Küche haben. Auch Lydia wurde herbeigeholt; diesmal hatte sie keine Aufforderung bekommen, aber vielleicht war es keine große Gesellschaft; wahrscheinlich wollte nur der Sohn, Scheldrup Johnsen, ein paar Altersgenossen bei sich sehen.

Etwas später am Vormittag, als die Leute allmählich unterwegs waren, hieß es, C. A. Johnsens Schiff werde an diesem Tag in See stechen. Da grübelte Lydia nicht mehr; es würde also ein donnerndes Fest für den Kapitän und die Honoratioren der Stadt sein, aber sie wollten in der Küche ohne sie fertig werden. Gut Glück auf die Reise! Sie zog die Kinder hübsch an, wusch ihnen die Flecken heraus, rieb die Schuhe mit Fett und Ruß ein und legte auch für sich ein anständiges Kleid bereit.

Am Nachmittag war eine richtige Wallfahrt nach dem Bollwerk. Man war schon mitten im Frühling, und die Leute trugen demgemäß helle, leichte Kleider; das war ein hübscher Anblick. Der Dampfer Fia hatte geladen und war zur Abfahrt bereit.

Dieses Schiff war nicht mehr neu, es war zu der Zeit gebaut worden, wo ein vernünftiges Frachtboot ein paar hundert Tausend kosten konnte, aber nicht mehr; jetzt hatte es Johnsen am Landungsplatz in Göteborg gekauft. Er hatte es aufputzen lassen und dann nach seinem Töchterchen „Fia” umgetauft. Was das gekostet haben mochte, ein solches Schiff zu kaufen, es herrichten zu lassen und es ganz neu zu machen! Es wurde erzählt, das Umtaufen allein habe einen Haufen Geld gekostet. Aber was war ein Haufen Geld für Johnsen am Landungsplatz! Und jetzt lag die Fia als der einzige Dampfer der Stadt und als ein wahres Wunder drunten am Bollwerk.

Natürlich war die kleine Fia in dem Augenblick, wo ihr Schiff abfahren sollte, selbst an Bord, und sie saß mit ihren Eltern und dem Kapitän in der Kajüte. Und natürlich kam auch ihr Bruder, der junge Scheldrup, an Bord. Er war schon groß und fast erwachsen, in einem hellen Anzug mit einem schwarzen Samtkragen auf der Joppe, was eben Mode war. Ein flotter Bursche, der Sohn des Hauses Johnsen, braunäugig wie der Vater, mit einem leichten Bartflaum auf den Wangen! Die Hüte wurden vor ihm gelüftet, und er grüßte wieder, fast den ganzen Weg nach der Kajüte ging er auf diese Weise barhäuptig.

Das Schiff hatte Dampf auf und stieß Rauch aus. Auf Deck war alles ruhig, der Steuermann und die Mannschaft standen an der Reling, spuckten ins Wasser und schwatzten ein wenig mit den Bekannten am Land. Oliver Andersen wußte, wo sein Platz war, und hielt sich ganz vorne; er war mehrere Jahre lang mit einem Segelschiff gefahren und war Matrose, ein gewöhnlicher blauäugiger Sohn aus dem Volke, aber dazu ein Waghals und Kraftmensch, der Sohn einer Witwe. Er war unter Mittelgröße, aber fest und gut gebaut, hatte früher mit den Bildern von Napoleon Ähnlichkeit gehabt, jetzt aber trug er einen Vollbart und war etwas für sich. Gerade in jenem Jahr hatte er die Möglichkeit gesehen, sein Häuschen mit roten Ziegeln zu decken und es durch einen Ausbau am Giebel zu erweitern. Er dachte wohl an die Zukunft.