Und er sagte, er hätte es auch ohne Ermahnung getan, denn er wisse wohl, was seine Pflicht sei. Wahrhaftig, das Leben war jetzt besser, als er sich gedacht hatte, Oliver klagte nicht, er war ein verheirateter Mann und alles, was dazu gehörte, alles war entschieden, nichts schwebend, nichts zweifelhaft. Es war ein Glück, daß er damals den Anbau nicht vermietet hatte, da er ihn nun selbst notwendig brauchte.

Doch siehe, eines Tages schickte Mattis einen kleinen Jungen zu Oliver und ließ ihm sagen, er habe mit ihm zu reden. Aber Oliver hatte nichts mehr mit diesem Manne zu reden, durchaus nicht: „Was will er von mir? Sag' ihm, er brauche sich gar nicht zu mir herzubemühen, sag' das dem Mann!”

Sie konnten den Schreiner vor ihrem Fenster hin und her wandern sehen, und er machte kecke Schritte, es sah aus, als ginge er nicht das erstemal Napoleon entgegen. „Es ist toll genug, auf einen Krüppel loszugehen,” sagte Oliver jetzt. „Die sollen mit ihm reden, die ein Hähnchen mit ihm zu pflücken haben,” sagte er in die Stube hinein. — Da strich sich Petra ein paarmal glättend übers Haar, sie machte sich hübsch und unwiderstehlich und trat dann auf die Straße hinaus.

Die in der Stube Zurückgebliebenen konnten sehen, daß der Schreiner zusammenzuckte. Wo war nun seine ganze Mannhaftigkeit? Die beiden draußen fragen und antworten einander, können sich aber nicht einigen; wenn sie von den Türen sprechen, dann bitte, aber sie sprechen wohl von dem Ring. Oliver sitzt am weitesten in der Stube drinnen, er streckt nur die Nase vor und beobachtet den Auftritt. Jetzt wird der Schreiner lebhaft, er ermannt sich und sieht Petra gerade ins Gesicht, er fängt an umherzulaufen, während er redet, er macht förmlich einen Kreis um sie. Und Petra — obgleich sie Finnen im Gesicht hat und nicht besonders hübsch aussieht, so zügelt sie den aufgeregten Mann doch mit leisen, betrübten Worten. Na, da steht sie vor ihm und lächelt ihn gar so nett und verführerisch an. Schließlich starrt Mattis mißmutig zu Boden, und als ihm Petra die Hand reicht, nimmt er sie auch, ohne aufzusehen; nachdem er sie einen Augenblick festgehalten hat, geht sie. Dann geht Mattis. Oliver sitzt in der Stube, Mattis tut ihm fast leid.

Und im übrigen tauchten keine andern Unannehmlichkeiten mehr auf.

Keine andern?

O, die Zeit verging ja, und vieles ereignete sich, schlechtes Wetter verhinderte tagelang jede Ausfahrt. Petra war ans Haus gebunden durch das Kind, durch den Jungen, den sie bekommen hatte; die alte Mutter hatte die Sorge fürs Haus aufgegeben; sie wanderte nicht mehr in die Welt hinaus und kam mit einem vollen Sack heim.

Doch das machte nichts, Oliver litt keine Not, er gedieh, er und die Katze. O, der alte Kater, er war nichts mehr nütze, er konnte nur daheim in der Stube herumliegen und sich von den vielen Fischen einen dicken Bauch anfressen; schließlich glaubten die beiden Frauen, es sei eine Katze. Und Oliver, saß nicht auch er daheim, war zufrieden und wiegte das Kind und beobachtete, was auf der Straße vorging. Seine Hände waren kleiner und seine Haut weißer geworden, auch sein Gesicht sah hübscher aus. Es ärgerte ihn, daß er keine Möglichkeit sah, sich eine Pelzmütze für den Winter anzuschaffen; konnte er denn an Wintertagen mit einem Strohhut hinausrudern? „Kannst du dir nicht einen Südwester anschaffen?” fragte die Mutter. Der einstmals so flotte blaue Schlips hatte den Glanz verloren, aber das mußte doch verdeckt werden können; wenn er nicht aufzufärben ging, konnte ihn Petra wohl wenden. Doch es zeigte sich, daß die linke Seite ebenso verschossen war. Da wurde Oliver wie ein wenig übellaunisch und meinte: „Ich denke, du sagtest damals, ich könnte bei Johnsen am Landungsplatz einen Verdienst bekommen, wie steht es denn damit?”

Die arme Petra, ja, sie wollte mit dem Konsul reden.

„Warum nennst du ihn immer den Konsul?”