Der Winter verging, ein Tag um den andern.

Aber natürlich hatte Oliver keine Ausdauer, sein Fleiß war Kunst, er wurde des Fischens überdrüssig, und da schob er das Kind vor.

Jawohl, ganz allmählich wurde das Kind vorgeschoben. Wenn er vom Fischmarkt heimkam, untersuchte er recht geflissentlich das Kind in der Wiege, überzeugte sich, ob es atmete, horchte eine Weile. Und er stellte beleidigende Fragen: „Sie haben dir wohl nichts zu essen gegeben, Frank, sie haben es wohl ganz vergessen?” Im Anfang lachten ja die Frauen darüber und hielten es für Scherz; aber Oliver erklärte, er habe im Ernst Angst. Später pflegte er offen das Kind als Vorwand zu benützen, wenn er nicht hinausrudern wollte: es schreie so herzzerreißend, wenn er fortgehe.

Seinen Platz am Bollwerk überließ er dem Fischer Jörgen, ja, er bot ihn diesem selbst an: „Es ist der beste Platz, und du sollst ihn haben. Du weißt: du und ich, Jörgen!”

Ob er denn nicht mehr fischen wolle?

Nicht, um zu verkaufen, er fische nur noch für sich selbst. Jörgen könne den Platz jedenfalls den Winter über haben, zum Frühjahr wolle ihn Oliver dann ja vielleicht selbst wieder. Jörgen bekam überdies noch eine deutlichere Erklärung: er habe das Herz nicht, seinen kleinen Frank allein zu lassen, es möge gehen, wie es wolle, das Kind wolle immerfort bei ihm sein. Es sei merkwürdig mit so einem kleinen Kerl, und ob Jörgen ihm wohl den Grund angeben könne, warum der Vater der Mutter und allen andern vorgezogen werde.

Das sei dem Kinde wohl angeboren?

Genau, was er selbst gedacht habe: der Vater sei der Erzeuger des Kindes, und daran hänge das Kind fest; die Mutter sei nur die Erde, in die das Kind hineingepflanzt werde. Ob das nicht ganz klar sei? Das Gras wachse, die Schiffe führen auf dem Wasser dahin, der Himmel habe Sterne, das sei alles verständlich. Aber das sei nun etwas anderes, und natürlich könne ihm kein Mensch auf dem weiten Erdenrund erklären, daß Frank — daß ein Kind — „er ist kaum eine Spanne lang und hat schon Verstand!”

Leeres Gerede, Gedanken vom Backbord zu Schiff. Es war eine Weiberunterhaltung bei der Häkelarbeit. Aber Jörgen, der wortkarg war, mußte seine gewöhnliche Erklärung zu Hilfe nehmen: es sei vieles in der Natur verborgen.

In der Stadt beurteilte man Oliver anders, die Stadt war, wie nicht anders zu erwarten war, der Ansicht, Oliver müßte für seine Faulheit auf Wasser und Brot gesetzt werden. Ob das eine Art sei, eines kleinen Kindes wegen daheimzubleiben, anstatt hinauszurudern?